Interview: Schauspieler Colin Farrell über seine Rolle in „Dead Man Down“

„Da gibt es Zärtlichkeit“

Im Film „Dead Man Down“, der diese Woche in die Kinos kommt, spielt Colin Farrell den Gangster Victor, der von seiner Nachbarin (Noomi Rapace) bedroht wird. Sie übt magische Anziehungskraft auf ihn aus. Doch die rätselhafte Frau hat ein eigennütziges Ziel. Sie hat Victor bei einem Mord beobachtet und erpresst ihn nun. Er soll den Mann töten, der ihr Gesicht verunstaltet hat.

„Dead Man Down“ handelt von einem Gangster, der von einer Frau für deren Rache instrumentalisiert wird. Wie weit würden Sie gehen?

Colin Farrell: Ich habe keine Ahnung. Ich bin nicht gut darin, Was-wäre-wenn-Fragen zu beantworten. Das ist Mist. Ich weiß nicht, ob irgendjemand mit Sicherheit weiß, wie er auf bestimmte Situationen wirklich reagieren würde.

Wie ist Ihre Herangehensweise an einen Charakter, wenn Sie eine Rolle erarbeiten?

Farrell: Als Zuschauer hat man eine gewisse Objektivität, wenn man sich fragt, was man anstelle des Charakters tun würde. Wenn man sich als Schauspieler mit dieser Frage konfrontiert, entwickelt man Distanz zum Charakter. Dadurch bringt man ihn zu sich, was der falsche Weg ist. Man muss vielmehr sich selbst zum Charakter bringen. Im Idealfall liest man das Drehbuch so oft, bis man den Kontext einer Szene so reflektiert, dass man davon nachts träumt. Dann ist man gut vorbereitet.

War es schwer, sich mit der Figur zu identifizieren?

Farrell: Es ist alles Fiktion. Ein Schauspieler sagte kürzlich in einem Interview, solange man selbst kein Elternteil sei, solle man kein Elternteil spielen. Ich bin anderer Meinung.

Wie war es, mit diesem Gangster-Typen zu leben?

Farrell: Ich erinnere mich an zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen bei diesem Film. Eine ist mit den Dreharbeiten in Philadelphia verknüpft. Wir haben viel auf dem Gelände der US-Marine gedreht. Da gab es ein großes Lager mit einem Parkplatz direkt am Wasser. Alles war abgesperrt. Kein Mensch war da, nur die Filmcrew mit den Wohnwagen. Mein Anhänger parkte gegenüber Noomis. In der Mitte machten wir Lagerfeuer und hörten Musik. Noomi bekam Besuch von ihrem Sohn, ich von meinen Kindern. Es war wie Urlaub - wirklich schön.

Und die andere Seite der Medaille?

Farrell: Die Geschichte hat nicht für gute Gefühle gesorgt. Es geht um ernste Themen. Victor ist kein glücklicher Mensch. Er unterdrückt seine Emotionen und ist sehr einsam. Er führt das Leben eines Mönchs. Es ist eine klösterliche Existenz, die er führt, während sein Leben vom Tod anderer erfüllt ist. Er lebt in einer sterilen Welt, die voller Entbehrung ist. Das ist nicht schön.

Rache-Geschichten gehören in Hollywood zu den klassischen Sujets. Haben Sie versucht, diesem Charakter neue Facetten abzugewinnen?

Farrell: Wenn man etwas Neues macht, nur um neu zu sein, fällt man irgendwann in ein Loch. Ich weiß nicht, ob aus meiner Rolle etwas Originelles entstanden ist. Ich weiß aber, dass ich beim Lesen etwas gespürt habe. Die Beziehung zwischen Noomis und meinem Charakter hebt diesen Film von ähnlichen Werken ab. Da gibt es eine Zärtlichkeit. Das sind zwei verletzte, gebrochene Menschen, die zusammenkommen und voneinander erlöst werden wollen. (Ricore)

Von Julia Manfredi

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