Gipfelbesteigung: Das Trio lunaire spielte bei den Musiktagen Schubert

Bot Schubert total: Das Trio lunaire mit (von links) Christian Petersen, Felicia Terpitz und Wolfram Geiss. Foto: Koch

Kassel. Franz Schuberts „späte“ Klaviertrios (der Komponist wurde nur 31!) in B-Dur und Es-Dur sind Felsen in der Brandung der Musikgeschichte, überschäumende, ausufernde, doch nie formlose Stücke aus der Feder eines Genies. Sie beide in einem Konzert zu vereinen, ist nahe liegend. Dennoch findet solch ein Doppelabend kaum je einmal statt, was sicher auch mit dem Schwierigkeitsgrad zu tun hat.

Mehr als anderthalb Stunden dauern die Trios zusammen. Das Kasseler „Trio lunaire“ scheute davor nicht zurück und ging die Sache furchtlos an. Am Ende war die Anstrengung allen dreien - Felicia Terpitz (Violine), Wolfram Geiss (Violoncello) und Christian Petersen (Klavier) - von den Gesichtern abzulesen. Höchst verständlich, dass dem Wunsch des sehr angetanen Publikums nach einer Zugabe nicht entsprochen wurde.

Die beiden Trios kann eine Kammermusikformation sehr unterschiedlich angehen. Sie kann versuchen, große Linien herauszumodellieren, Bezüge hörbar zu machen, „klassisch“ oder „romantisch“ zu spielen. Oder sie kann Schuberts Kompositionen als nicht zu Ende geschliffene Edelsteine betrachten. Rauheiten, Abgründe dürfen dann stehen bleiben.

So war es beim Konzert der Musiktage am Mittwochabend im Ständesaal. Die überreichen Ausdrucksmöglichkeiten Schuberts wurden nicht planiert, sondern standen nebeneinander. Besonders schön war dies im zweiten Satz des Es-Dur-Trios zu hören, als Cellist (Geiss mit feiner Süße) und Pianist (Petersen mit wunderbarem Anschlag) aus der eingängigen Kantilene eine betörende Miniatur machten, die dann vom eruptiven Mittelteil überdeckt wird, ehe sich die Lösung in ruhigere Fahrwasser andeutet.

Dass ein Trio, das nur gelegentlich zusammenkommt, in der Koordination nicht immer perfekt sein kann, das ist nachvollziehbar. Den Gesamteindruck störte dies wie auch gelegentliche Intonationsprobleme der Geigerin nur minimal. Das Erlebnis einer gelungenen Gipfelbesteigung überwog bei Weitem.

Von Johannes Mundry

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