Neu im Kino: „Wader Wecker Vater Land“

Neu im Kino: „Wader Wecker Vater Land“

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Im Zug: Konstantin Wecker (links) und Hannes Wader.

Eine solche Unsicherheit war nicht zu erwarten. Hannes Wader schimpft mit sich, ist unzufrieden, hadert: Nervosität vor einem außergewöhnlichen Musikprojekt, das nun ein Dokumentarfilm einfängt.

Der 29-jährige Filmemacher Rudi Gaul hat in „Wader Wecker Vater Land“ Hannes Wader und Konstantin Wecker bei ihrer ersten gemeinsamen Tournee und den Vorbereitungen dazu begleitet. Und verknüpft dieses Gipfeltreffen der Liedermacher-Legenden mit Porträts der beiden Musiker und historischem Filmmaterial.

Er kommt beiden sehr nah, hat beim Dreh so viel Vertrauen geschaffen, dass sie sich vor der Kamera auch verletzlich und sehr privat geben. Und er zeigt in praktisch jeder Einstellung, wie das Tourprojekt zu einer freundschaftlichen Annäherung wird. Zuvor hatte man einander professionell betrachtet. Jetzt arbeitet man auf einmal zusammen - und muss damit umgehen, dass der Gesangspartner so ein komplett anderer Typ ist. Wader ist der Ernste, phasenweise von Selbstzweifeln Geplagte, Wecker ist mehr Rampensau, ein Bühnencharmeur, lässig, mitreißend. Und beide wollen am liebsten alles allein im Griff haben. Wie sie es gewohnt sind. Sensibel arbeitet der Film heraus, wie sie sich immer mehr annähern, öffnen. Sehr schön. Wecker sagt: „Ich wadere, er weckert.“ Der Film ist auch ein Blick auf zwei politische Biografien, die in den ernüchternd dogmatischen 60ern begannen.

Die kreative Kamera setzt dazu künstlerisch eigene Akzente. Die endlosen Zugfenster-Bilder sind deutlich zu ausufernd, aber dass bei Waders Klassiker „Heute hier, morgen dort“ gar nicht der Meister selbst, sondern nur mitsingende Fan-Münder gezeigt werden, überzeugt.

Und Kassel, Hannes Waders aktueller Wohnort, kommt auch vor: Er bereitet sich zu Hause ein Rührei und spielt Boule vor der Orangerie.

Genre: Dokumentation

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

Von Bettina Fraschke

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