Nuria Rial und Christiane Karg im „Solomon“ bei den Göttinger Händel-Festspielen

Gipfeltreffen der Soprane

Dirigent Rolf Beck Foto:  nh

GÖTTINGEN. Schade, dass sie nicht mehr zu singen hat. Dachte man in der Göttinger Stadthalle, wo bei den Händel-Festspielen ein Star der Alten Musik gastierte: Die katalanische Sopranistin Nuria Rial betörte in Händels spätem Oratorium „Solomon“.

Das 1749 uraufgeführte Stück ist musikalisch reich, aber ungewöhnlich in seinem Verzicht auf einen dramaturgischen Faden. So tritt die Gemahlin des Solomon nur im ersten Akt auf. Das reichte Rial, um ihren Ausnahmerang zu demonstrieren. Noch anmutiger und lieblicher kann man nicht singen.

Nach der Pause lockte ein weiterer großer Sopran-Name. Christiane Karg, ebenfalls Echo-Klassik-Preisträgerin, sang die 1. Frau, die im Streit mit der falschen Mutter vom weisen König Salomon das Kind zugesprochen bekommt. Wie von ihrem preisgekrönten Album „Verwandlung - Lieder eines Jahres“ zu erwarten, bot Karg einen in den Klangfarben und in der Dynamik äußerst differenzierten Gesang. Ihre Kunstfertigkeit mutete allerdings mehr deutsch-romantisch als barock an.

Die Titelpartie des Solomon steuerte die respektable Mezzosopranistin Lucia Duchonová bei, im Duett-Vergleich mit Rial mit wenig biegsamer Phrasierung. Die Koreanerin Minyoung Catharina Lee war eine einnehmende Königin von Saba, die Türkin Nihan Inan eine furiose 2. Frau. Den virilen Kontrapunkt zu all den Sopranen setzten der Bassbariton Panajotis Iconomou (Levite) und der Tenor Benjamin Bruns (Zadok).

Auf ruhig-gediegene Weise dirigierte Rolf Beck, der langjährige Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Eine engagierte Darbietung kam vom Schleswig-Holstein Festival Chor Lübeck. Versiert im Originalklang spielte das Elbipolis Barockorchester Hamburg, bei dem aus Kassel die Cellistin Susanne Hartig mitwirkte. Tosender Beifall in der nicht ganz vollen Halle.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.