Ska-Punk aus Nantes schockte im Schlachthof

Gitarrenriffs und Pogo à la française

Mehr Punk als Ska: Gitarrist Morgan Dubois von der Band Kiemsa mit ausgefallener Frisur. Foto: Fischer

Kassel. Es hätte ein so gemütlicher Abend werden können. 50 Zuschauer hatten sich im Schlachthof eingefunden, um französischen Ska-Klängen zu lauschen. Das Publikum bunt gemischt: Ehepaare in Hosenanzügen, intellektuelle Weintrinker in Rollkragenpullis, Jugendliche mit Dreadlocks in Kapuzenjacken.

Im Hintergrund knistert ein romantisches Chanson-Stück aus dem Grammofon, sieben Musiker in schicken Anzügen treten auf die Bühne und verbeugen sich höflich. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch Hoffnung. Lediglich der Gitarrist der im Bundesgebiet kaum bekannten Band Kiemsa, die hierzulande gerade ihr neues Album bewirbt, erweckt mit seiner Stachelfrisur und dem Rauschebart einen Eindruck von Skepsis.

Er ist es auch, der sich als Erster die Krawatte vom Hals reißt und vom einen Augenblick auf den nächsten wie wild auf sein Instrument einprügelt – dumpfe, harte Gitarrenriffs à la Rage Against the Machine und System of a Down.

Die Zuschauer reagieren instinktiv: Das Jungvolk stürmt vor die Bühne in den Pogo-Kreis, um sich gegenseitig in die tragenden Säulen des Saals zu schubsen, die älteren Herrschaften pressen sich erschrocken an die Wände und retten ihre Rotweingläser vor dem schwitzenden Moshpit. Viele ergreifen die Flucht, kehren aber mit Ohrstöpseln geschützt wieder zurück. Die gibt es kostenlos an der Kasse, der Schlachthof ist gut vorbereitet.

Sänger Martin Hallier, dessen Stimme eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Metal-Röhre eines James Hetfield aufweist, hieß seine „5000 Fans im Kasseler Stadion“ augenzwinkernd willkommen und freute sich, am Ende ihres letzten Auftritts in Deutschland selbst die hinteren Reihen aufgetaut und zum Tanzen gebracht zu haben.

So bescherten Kiemsa zwar nicht für jede Altersklasse die neue Lieblingsmusik. Ein Erlebnis für alle war der Auftritt jedoch allemal.

Von Philipp Brandstädter

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