Kasseler Musiktage: Daniela Hlinková, Max Westermann und das Spohr Kammerorchester

Auf Glanz folgte Finsternis

KASSEL. Ein kräftiges Ausrufezeichen setzte das heimische Spohr Kammerorchester bei den Kasseler Musiktagen. Ohne falschen Lokalpatriotismus lässt sich festhalten, dass ein sehr hohes Niveau geboten wurde. So war es ein großer Abend, den 220 Gäste in der Kirchditmolder Kirche mit gebührender Begeisterung aufnahmen.

Wie ein Ausblick auf Weihnachten schien eingangs das barocke Trompetenkonzert von Telemann. Der Solist Max Westermann aus dem Staatsorchester verstand sich auf sangliche wie agile Trompetentöne. Doch nach dem hellen Glanz wurde es finster, und zwar so richtig.

Es gab die Kammersinfonie op. 110 a, Rudolf Barschais Bearbeitung des Streichquartetts Nr. 8 c-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Faschismus hat der russische Komponist das 1960 entstandene Werk gewidmet. Zugleich ist es eine persönliche Bekenntnismusik von schmerzlichster Intensität.

Mit einer unglaublich depressiven Stimmung und furiosen Ausbrüchen wurden die Zuhörer konfrontiert. Die Streicher musizierten packend, ausgefeilt, in Bestform. Ausdrucksvolle Soli kamen von Geigerin Katalin Hercegh und Cellist Wolfram Geiss. Daniel Geiss zeigte wie auch bei den weiteren Programmpunkten seine Klasse als Dirigent.

Die zweite Hälfte begann mit Schostakowitschs parodistischem Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester aus dem Jahr 1933. Max Westermann setzte freche Signale, spielte einfühlsam die gedämpfte Melodie im Lento. Ein starkes Debüt als Artist-in-residence bei den Kasseler Musiktagen gab die ausgezeichnete Pianistin Daniela Hlinková. Nicht nur mit wirbelnden Passagen machte sie Eindruck. Charakteristisch war auch, wie sie karg notierte Tonfolgen mit feinen klanglichen und rhythmischen Abstufungen zum Leben erweckte.

Am Konzertende stand das trotz des Titels komplexe „Divertimento“ (1939) von Béla Bartók. Kompliment an das Spohr Kammerorchester Kassel für sein tolles Spiel - und für seinen Einsatz für die Klassiker des 20. Jahrhunderts.

Von Georg Pepl

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