Das Vocalensemble führte unter der Leitung von Eckhard Manz in der Martinskirche die Marienvesper auf

Glanzvoller Jahresabschluss

Vokale Glanzleistungen: Der Bassist Jens Hamann (links) und der Tenor Achim Kleinlein vor dem Vocalensemble. Foto: Schoelzchen

Kassel. Es gibt alte Musik, der man auch nach Jahrhunderten noch anhört, wie modern sie für die Zeitgenossen geklungen haben muss. Mit der Kühnheit eines musikalischen Pioniers schrieb Claudio Monteverdi seine 1610 veröffentlichte „Vespro della Beata Vergine“, die Marienvesper.

In einer gleichermaßen glanzvollen wie eindringlichen Aufführung war das Werk im Silvesterkonzert in der voll besetzten Martinskirche zu hören.

Schon der kraftvoll flächige Chorbeginn dieses dem Marienlob gewidmeten Werks verweist auf die Größe des Unterfangens: Umspielt von Instrumenten beginnt der sechsstimmige Chor in schweren Akkorden, geht dann in einen Dreiertakt über und setzt das gut eineinhalbstündige Oratorium in Bewegung.

Kantor Eckhard Manz zelebriert diesen Beginn, und sein dreißigköpfiges Kasseler Vocalensemble zeigt sich dabei von beeindruckender Stimmkraft und bemerkenswerter Homogenität. Doch bei diesem dichten Chorsatz bleibt es nicht. Monteverdi zieht alle Register der Kompositionskunst, reiht vokale Solo-Concerti ein und lässt den Chor in unterschiedlicher, teils doppelchöriger Besetzung agieren.

Manz lässt in der Martins-kirche einen Hauch von Venedig aufkommen, indem der geteilte Chor beim zentralen Satz, dem Hymnus „Ave maris stella“, begleitet von je einer Theorbe (langhalsige Laute), ähnlich wie seinerzeit im Markusdom auf beiden Seitenemporen singt. Schon zuvor war das Tenorsolo „Audi coelum“ (Höre, Himmel) von der Orgelempore erklungen - samt Echo-Tenor aus der Sakristei.

Hervorragend agieren die sechs Solisten, allen voran der kraftvoll strahlende Tenor Andreas Post. Achim Kleinlein (Tenor 2), die Sopranistinnen Heike Heilmann und Veronika Winter sowie die Bassisten Jens Hamann und (etwas eingeschränkt) Gregor Finke zeigen sich den verzierungsreichen Partien bestens gewachsen. Und das Orchester St. Martin Barock sorgt mit alten Instrumenten wie Zinken und Barockposaunen für virtuose Farbigkeit und feinen Ausdruck.

Den heftigsten Beifall erntet am Ende aber zu Recht das Vocalensemble, das sich in wechselnden Zusammensetzungen als ein Chor der Extraklasse präsentiert, auf den Kassel stolz sein kann. Dass Eckhard Manz die Marienvesper einmal seine „große Liebe“ nannte - an diesem Abend ist es für alle hörbar.

Von Werner Fritsch

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