Glauben in Kassel: Band zur Religionsgeschichte der Stadt

Pfarrer Hermann Köhler.

Kassel. In den 1100 Jahren überlieferter Geschichte hat Religion in Kassel durchweg eine bedeutende Rolle gespielt. Dass dieser wesentliche Aspekt des städtischen Lebens im Jubiläumsjahr seine verdiente Beachtung findet, dafür sorgt das Buch „Die Geschichte der Religion in Kassel“, das am Donnerstag im Evangelischen Forum vorgestellt wurde.

Der Band basiert auf der gleichnamigen Vortragsreihe des Evangelischen Forums und enthält 13 Beiträge von zehn Autoren. Das Themenspektrum reicht vom christlichen Leben im mittelalterlichen Kassel (Christian Philipsen) über die reformatorischen Ereignisse (Herbert Kemler) bis hin zur Rolle der evangelischen Kirche während der NS-Diktatur 1933 bis 1945 (Hans-Dieter Stolze).

Weitere Kapitel sind einzelnen christlichen Religionsgemeinschaften gewidmet, so den (in Kassel zunächst unterdrückten) Lutheranern (Hans-Dieter Stolze), den Katholiken (Erhard Heidrich), den Hugenotten (Karl-Hermann Wegner) und den Baptisten (Frank Fornaçon). Zwei Beiträge widmen sich dem jüdischen Leben in Kassel. Die Zeit der Juden-Emanzipation im 19. Jahrhundert bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten beleuchtet Dietfried Krause-Vilmar, und die Vorsitzende der Kasseler Jüdischen Gemeinde, Esther Haß, skizziert das jüdischen Leben in Kassel nach 1945 bis zur Jetztzeit.

Dass kein Autor gefunden werden konnte, der das muslimische Leben in Kassel seit Beginn der Zuwanderung vor allem aus der Türkei dokumentiert, bedauerte Herausgeber Pfarrer Hermann Köhler ausdrücklich - verbunden mit dem Wunsch, dass dieser Teil der Kasseler Religionsgeschichte in einer erweiterten Darstellung Platz finden möge.

Köhler, bis vor Kurzem Mitarbeiter des Evangelischen Forums, hat in verdienstvoller Arbeit die einzelnen Beiträge zu diesem höchst informativen Buch zusammengeführt.

Dessen letzter Beitrag, Überlegungen von Prof. Dr. Martin Hein, zum generellen Verhältnis von Stadt und Religion, trug der Kasseler Bischof in Form einer Lesung vor. Hein fordert darin seine Kirche auf, sich im Miteinander der unterschiedlichen Religionen gegenüber der Stadtgesellschaft zu öffnen und die Kirchen zu „Foren“ des städtischen Lebens zu machen. Mit diesem Beitrag weist das Buch zur Geschichte der Religion somit auch in die Zukunft.

Hermann Köhler, Ev. Forum (Hg): Die Geschichte der Religion in Kassel. Evangelischer Medienverband, 215 Seiten, 18 Euro.

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