Bedeutender Maler 

Ludwig Knaus-Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen 

Schwälmer Kinder aus dem Skizzenbuch 1849.

Willingshausen. Gustave Courbet verehrte ihn, Vincent van Gogh rechnete ihn zu den „Malern, die ich besonders liebe“. Und Max Liebermann prophezeite 1930 bei einer Ausstellungseröffnung in der Akademie der Künste in Berlin: „Die Werke von Ludwig Knaus werden bleiben!“

Heutzutage jedoch können auch viele Kunstfreunde mit dem Namen Knaus (1829-1910) nur mehr wenig anfangen. „Vor 150 Jahren gab es kaum einen populäreren Maler“, sagt Prof. Dr. Bernd Küster. Der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel ist stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung Malerstübchen in Willingshausen (Schwalm-Eder-Kreis), die das Erbe einer der ältesten Malerkolonien in Europa pflegt.

Für die Kunsthalle in dem Schwälmer Dorf hat Küster eine attraktive Schau eingerichtet, die diese „große malerische Persönlichkeit“ und deren enge Verbindung nach Willingshausen in Erinnerung rufen will, wo Knaus zwischen 1849 und 1881 zehn Mal zu Gast war: „Ohne Willingshausen wäre er nie das geworden, was er war“, sagt Küster: "der größte Genremaler des 19. Jahrhunderts."

Pariser Modell in Schwälmer Tracht

Knaus, der sogar Pariser Modelle Schwälmer Tracht anziehen ließ, sei der einzige der Willingshäuser Maler, der internationale Bekanntheit erlangte. Seine großformatigen Gemälde hängen in Museen der USA und erzielen hohe sechsstellige Euro-Beträge.

Bernd Küster kann ebenso schwärmen wie die Knaus-Zeitgenossen: von dessen nüchternem Blick auf eine prosaische Wirklichkeit, die er weder beschönigt noch karikiert oder entstellt, von seinem versierten Realismus, der Glaubwürdigkeit und Genauigkeit seiner Erzählung. Vom „begnadeten Zeichner“, der in der Schwalm Skizzenbuch um Skizzenbuch füllte und diese reiche Ernte an Studien, sein „kolossales Reservoir“, im Atelier in aufwendigen Kompositionen zu großformatigen, fiktiven Szenen mit vielen Figuren zusammensetzte. Von seiner Fähigkeit, nicht Typen, sondern Individuen darzustellen - und vor allem Kinder (wie sie ihm auf der Dorfstraße hinterherliefen).

Sein heute berühmterer Malerkollege Adolph Menzel war gerade darauf neidisch.

Brautschau im Wirtshaus

Gezeigt werden 40 Werke, teils aus Museen in Marburg, Kassel und Wiesbaden: Studien in Öl, verblüffend unspektakuläre Landschaften, Interieurs, aber auch ein Spaziergang in den Tuilerien in Paris, eine herrlich humorvolle „Brautschau“ im Tiroler Wirtshaus, die holländische Küste und das letzte Selbstbildnis. Höhepunkt der Schau - die erste in Willingshausen, die der Hessische Museumsverband fördert - ist ein ergreifendes Gemälde, das erstmals in der Schwalm zu sehen ist: Das „Hessische Leichenbegängnis im Winter“.

Ausgestellt sind auch das originale Skizzenbuch des Willingshäuser Aufenthalts von 1849 und zum allerersten Mal die Trachtenstücke, die Knaus zeit seines Lebens aufbewahrte und die seine Nachkommen zur Verfügung stellten, darunter die Weste, die der keck vor einem Misthaufen posierende „Dorfprinz“ trägt.

Von Mark-Christian von Busse

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