Neu im Kino: „Küss den Frosch“ ist ein warmherziges, witziges Meisterwerk der Disney-Trickfilmzeichner

Glitschtierchen im Zaubersumpf

Frosch zu sein ist nicht leicht: Prinzessin Tiana (links) und Prinz Naveen nach ihrer Verwandlung. Foto: nh

Eine Parade von Glühwürmchen sirrt singend durch die dampfigen Sümpfe Louisianas. Mit ihren leuchtenden Hinterteilen werfen die Krabbeltiere Spotlights auf die Schlingpflanzen. Louis, der dicke Alligator, spielt Jazztrompete dazu und balanciert - durchs Wasser pflügend - auf seinem Schwanz zwei verzweifelte Frösche.

Naveen und Tiana sind in grüne Glitschtiere verzauberte Menschen, die nach einem Gegenzauber suchen. Schließlich sind ihnen die gruseligen Schattenmänner schon auf der Spur, lautlos gleiten sie an den aus dem Wasser ragenden Baumstümpfen entlang, um ihren teuflischen Plan zu vollenden.

Zeichentrickfilm - für das 49. animierte Disneywerk kann man endlich wieder diesen Titel vergeben. „Küss den Frosch“ ist nach Jahren wieder ein handgefertigtes Werk aus der Traditionswerkstatt, der neue künstlerische Disney-Chef John Lasseter setzt wieder auf die Magie der handgezeichneten Figuren und Hintergrundprospekte.

Die Regisseure John Musker und Ron Clements schaffen mit ihrem 500-köpfigen Zeichnerteam fantastische Bildwelten von überwältigender Komplexität, bevölkert von charakterstarken und witzigen Figuren. Das Handwerk ist in puncto Detailstärke und Warmherzigkeit der Computertechnik überlegen.

„Küss den Frosch“ knüpft damit (nach einigen flauen Disneyfilm-Jahren) an frühere Meisterwerke wie „König der Löwen“, „Arielle die Meerjungfrau“ und sogar an Klassiker wie „Susi und Strolch“, „Cinderella“ oder „Das Dschungelbuch“ an, denen sie kleine Ausstattungs-, Bewegungs- und Stilzitate widmen.

Das Werk der Zeichner ist eine einzige Verbeugung vor der ehrwürdigen Tradition des Hauses Disney - und ein bisschen hat man folglich beim Filmbetrachten auch das Gefühl, in einem Museum gelandet zu sein: einem Museum für diese einzigartige Kunstform. Das ist aber kein Nachteil, das Staunen gehört seit jeher zum Disneyspaß dazu.

Ebenso wie die Abenteuer der künftigen Prinzessin und des Helden, die natürlich schwierige Prüfungen bestehen und erkennen müssen, was im Leben wirklich zählt. Das schwarze Mädchen Tiana (deutsche Stimme: Cassandra Steen) kämpft im New Orleans zum Anfang des 20. Jahrhunderts für ihren Traum vom eigenen Restaurant.

Prinz Naveen (Roger Cicero) ist ein Leichtfuß, der mehr an schnellen Abenteuern interessiert ist als an Vertrauen. Wie der wunderbar zwielichtige Voodoomagier Facilier die beiden in Hüpftierchen verwandelt, ist für kleine Kinder allerdings recht gruselig. Zwei Drittel des Films bewegen sich die Protagonisten dann im Tierkörper durch Louisianas Sumpfwelt und begegnen dabei dem Alligator Louis (Bill Ramsey), dem Glühwürmchen Ray und Voodoo-Zauberin Mama Odie (Marianne Rosenberg).

Durch diesen Handlungsschwerpunkt spielen Witz, Slapstick und Action in „Küss den Frosch“ eine erfreulich große Rolle, die Kitschanteile sind aufs Minimum reduziert. Und dazu feiert in diesem ersten amerikanischen Disney-Märchen Randy Newmans Filmmusik den Groove des Südstaaten-Jazz und -Blues.

Genre: Zeichentrick

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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