Neu im Kino: In „Eat Pray Love“ geht Julia Roberts auf Selbsterfahrungs-Reise

Globetrotten zum Ich

Verruchter Genuss: Liz (Julia Roberts) gönnt sich einen Becher Eis in Rom. Foto: Sony

Dass es für Frauen schon ein Akt der Selbstbefreiung ist, eine Pizza Margherita zu essen, ist eigentlich unfassbar traurig. Auch dass sie dann tapfer Mut schöpfen müssen, um im Laden die größere Jeans zu kaufen, weil sie sich einen kleinen Rettungsring um die Hüften gönnen. Natürlich wirkt das angesichts der Probleme der Welt wie Luxusnöte verwöhnter Wohlstandszicken.

Dieser Vorwurf an den Film „Eat Pray Love“ vom durch TV-Serien wie „Nip/Tuck“ bekannten Regisseur Ryan Murphy trifft trotzdem nicht den Kern, denn Millionen Frauen der westlichen Welt beschäftigen sich ja genau mit den Sorgen, die auch die Autorin Elizabeth Gilbert umtreiben, deren autobiografisches Buch 182 Wochen auf der Bestsellerliste der „New York Times“ stand: Sich selbst nicht zu spüren, sich in der Liebesbeziehung aufzugeben, inmitten vorgefertigter Lebensentwürfe keinen Schimmer zu haben, was man eigentlich will.

In „Eat Pray Love“ verlässt die New Yorker Autorin Liz ihre Ehe und ihren Liebhaber, um ein Jahr lang in Rom, Indien und Bali den Lebensgenuss (Pasta, dreitagebärtige Italiener), das Meditieren im Ashram (plus morgendliches Mantrasingen und Putzdienst) und die Liebe (in Gestalt von Javier Bardem als sinnlichem Felipe) neu zu entdecken.

Problematisch ist die Verfilmung aus zwei Gründen: Sie ist mit 140 Minuten so lang wie die Agonie nach einem mehrgängigen römischen Menü.

Und es gelingt ihr nicht, das Thema persönliche Selbstfindung und spirituelle Suche so glaubwürdig zu bebildern, dass Meditation filmisch mehr wird als exotische Folklore, und dass eigentlich gehaltvolle Lebensweisheiten („Verzeih dir selbst“) nicht rüberkommen wie Kalendersprüche aus dem ZDF-Sonntagsfilm. Der intelligente Witz und die Selbstironie der literarischen Vorlage bleiben somit zu oft auf der Strecke.

Lichtblicke gibt es also immer da, wo der Plot seinem eigenen Tiefgründigkeitsanspruch nicht erliegt. Wo also der balinesische Medizinmann Liz augenzwinkernd eine neue Meditationstechnik empfiehlt: Sie soll ihre mühevoll erlernten indischen Konzentrationsmethoden beiseiteschieben und sich einfach hinsetzen und lächeln.

Wie das wirkt, zeigt die wunderbare Julia Roberts, deren Strahlen halb Bali zu erhellen scheint. Der Star schafft es, einer Figur, die nur von inneren Konflikten getrieben ist, Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ihrer Neugier auf echte Erfahrungen, ihrer Lust, die Welt anzuschauen - die Brunnen Roms, die Elefanten Indiens, die Reisterrassen Balis - und ihrem Zurückzucken vor sinnlichem Genuss. Auch wenn es sich nur um eine Cremeschnitte handelt.

Genre: Selbstfindungsfilm

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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