Hendrik Weber aus Kassel ist als Pantha du Prince zum Techno-Star geworden

Der Glöckchen-Mann

Macht Techno für Menschen, die mit Techno bislang nichts anfangen konnten: Der aus Kassel stammende Soundtüftler Hendrik Weber (35) alias Pantha du Prince steht nicht gern im Rampenlicht und schließt auf Fotos gern die Augen. Foto: Beggars / nh

Als Hendrik Weber in Berlin den Hörer abnimmt, sagt er: „Hello.“ Der Musiker gibt gerade per Telefon Interviews zum Erscheinen seines neuen Albums und hat einen Journalisten aus Portugal erwartet. Stattdessen melden wir uns aus seiner Heimat. Weber ist in Baunatal und Kassel aufgewachsen, lebt mittlerweile in Berlin und Paris, und sein Minimal Techno, den er als Pantha du Prince produziert, ist so gefragt, dass Journalisten aus der ganzen Welt mit ihm sprechen wollen.

„Black Noise“, das dritte Album von Pantha du Prince, erscheint heute, aber schon seit Wochen überschlagen sich die Fachblätter mit Lobeshymnen. Die „Spex“ nennt die Sounds des 35-Jährigen „die Fortsetzung der Romantik mit den Mitteln des Techno“, für einen anderen Kritiker sind die elf Tracks schon jetzt „ein Genre-Klassiker“. Außergewöhnlich ist „Black Noise“ auch deshalb, weil es auf dem legendären Londoner Label Rough Trade erscheint, das mit Gitarren-Bands wie den Smiths Pop-Geschichte schrieb. Nun hat die Firma zum ersten Mal einen Techno-Künstler unter Vertrag.

„Das ist wie ein Ritterschlag durch die Queen“, sagt Weber, dessen Karriere in der Musikschule Baunatal mit Gitarrenunterricht begann. Der Sohn eines Schulinspektors und einer Klavierlehrerin spielte in mehreren Bands und war als Teenager Stammgast in den nordhessischen Clubs Stammheim, Spot und Savoy. Nach dem Abitur zog er mit 20 nach Hamburg, wo Weber Bassist der Indie-Rock-Band Stella wurde.

Schon bald aber merkte er, dass er „keinen Bock auf Rockmusik“ hatte. Weber gefiel der Personenkult des Rock nicht, wo der Sänger meist zur Überfigur wird. Die tanzende Masse der Clubmusik hat für ihn etwas Demokratisches. Es ist eine hübsche Pointe, dass Weber nun selbst so etwas wie ein Szenestar wird. Dagegen wehrt er sich auf seine Weise: Auf Fotos hat er die Augen geschlossen, oder er versteckt sein Gesicht unter einer Kapuze. Über sein Privatleben äußert er sich erst gar nicht.

Knisternde Sounds und Beats

Dafür sagt seine Musik mehr als 1000 Worte. „Black Noise“, was den schwarzen Lärm, eine für den Menschen unhörbare Frequenz, bezeichnet, ist Techno für den Waldspaziergang oder für Menschen, die mit Techno bislang nichts anfangen konnten. Dazu hat Weber Tonaufnahmen in den Schweizer Bergen gemacht. Über die digitalisierten Naturgeräusche legte er sanfte Bassdrums und knisternde Sounds. Dazu kommen immer wieder Glöckchenklänge, die Weber so toll findet, weil „sie noch nicht besetzt sind“. Er ist der Mann, der die Glöckchen klingeln lässt.

Seine Fähigkeiten sind längst auch außerhalb der Techno-Szene gefragt. Weber fertigte Remixe für Bands wie Depeche Mode und Bloc Party an, demnächst schreibt er die Musik für ein Tanztheaterprojekt in Paris. Zwischendurch kehrt er immer wieder in seine Heimat zurück. Als sein Vater im vergangenen Jahr 61 wurde, musizierten die Webers gemeinsam für die Gäste.

Pantha du Prince: Black Noise (Rough Trade / Indigo). Wertung: !!!!!

Von Matthias Lohr

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