Interview: Der Homberger Schlagerstar Matthias Reim über seine Rückkehr nach 14 Millionen Euro Schulden

„Glück geht auch ohne Geld“

Mit „Verdammt, ich lieb dich“ wurde er ein Star: Sänger Matthias Reim (52). Foto: Esser / nh

Das neue Album von Matthias Reim trägt einen programmatischen Titel: „Sieben Leben“. Nach einem phänomenalen Aufstieg in den 90ern und einer ebenso großen Pleite mit fast 14 Millionen Euro Schulden feiert der aus Homberg stammende Schlagersänger nun seine Rückkehr. Wir sprachen mit dem 52-Jährigen.

Herr Reim, wissen Sie noch, was Sie am 26. Juni dieses Jahres gemacht haben?

Matthias Reim: Da habe ich meinen Freispruch bekommen. So nenne ich die Bestätigung des Konkursgerichts, dass ich wieder schuldenfrei sei. Es war mein zweiter Geburtstag.

Sie hatten fast 14 Millionen Euro Schulden. Alles begann damit, dass Sie Ihrem Manager eine Generalvollmacht ausstellten, um Ihr Geld in Immobilien anzulegen. Anschließend kaufte er halb Ostdeutschland auf. Wie oft wurden Sie gefragt: „Wie kann man so blöd sein?“

Reim: Oft. Dabei wollte ich nicht blöd sein, sondern weise. Ich wollte, dass ich auch noch dann etwas von meinem Geld habe, wenn meine Karriere einmal vorbei sein sollte. Also suchte ich eine vertrauenswürdige Person und sagte zu ihr: „Mach was draus.“

Was macht Ihr Ex-Manager heute?

Reim: Der ist irgendwo Hartz-IV-Empfänger.

Ihr Bruder Christoph, der als Wertpapierhändler in Mailand arbeitet, hat Sie quasi freigekauft. Allerdings müssen Sie ihm eine Million Euro zurückzahlen.

Reim: So viel ist es nicht. Es geht um eine Summe mit ein paar Nullen. Mein Bruder hat mir bis zum 99. Lebensjahr Zeit gegeben. Und ich verdiene ja auch relativ viel Geld. Das belastet mich nicht. Aber natürlich war es ein glücklicher Umstand, dass ich jemanden habe, der sich so etwas leisten kann.

Stimmt es, dass Ihr Bruder schon als Jugendlicher Ihre Konzerte finanziert hat?

Reim: Er hat einen Auftritt meiner Kasseler Band Aqua organisiert, als ich in Göttingen studierte und er in der 12. Klasse war. Er schnappte sich die Homberger Turnhalle, stellte das Konzert auf die Beine, zu dem 200 Leute kamen, und hatte am Ende 70 Mark verdient.

Ihr neues Album heißt „Sieben Leben“. Haben Sie es sofort in Angriff genommen, als Sie wussten, dass Ihr altes Leben vorbei ist?

Reim: Ja, das war im Februar. Da wusste ich schon, dass die Ampel bald wieder auf Grün stehen würde. Es ist ein ganz anderes Arbeiten, wenn du weißt, dass du deine Sorgen endlich in den Griff bekommen hast. Das ist wie bei einem TV-Receiver, wenn sich eine Gewitterwolke vorbeischiebt und das Bild wieder klar wird. Du musst dich vor niemandem mehr verbeugen - außer vor deinen Fans.

Die CD bietet Foxtrott-Schlager, eine Ballade mit Bonnie Tyler und viel Rockiges wie „Das ist die Hölle“, eine schöne Version von „Entre dos Tierras“ der spanischen Band Heroes del Silencio. Wie kam es, dass Sie den 18 Jahre alten Hit gecovert haben?

Reim: Ich muss gestehen, dass ich die Nummer gar nicht kannte. In Spanien habe ich sie im Radio gehört und mit deutschem Text aufgenommen. Als ich die dann Freunden vorspielte, habe ich sie als mein Stück verkauft. Aber die fingen schon beim Gitarren-Intro an zu lachen, weil sie das Stück erkannten.

Ihre erste Single „Du bist mein Glück“ klingt ein bisschen wie Ihr größter Hit „Verdammt, ich lieb dich“.

Reim: Das stimmt. Ursprünglich hatte ich den Song in einem anderen Tempo aufgenommen. Dann hab ich mir gesagt: Jetzt drehen wir mal hoch auf 100 Beats per Minute. Das Stück hat sehr viel Energie und ist sehr positiv. Das trifft mein Lebensgefühl.

Positiv war auch Ihr Spot für einen Autovermieter, in dem Sie sangen: „Verdammt, ich hab nix. Ich miet bei Sixt.“ Ihnen kann aber doch nicht immer zum Lachen zumute gewesen sein.

Reim: Natürlich nicht. Aber wenn du so ein Desaster verarbeiten willst, kannst du nicht immer nur wütend zurückschauen. Die „Bunte“ schrieb, ich hätte ein „verpfuschtes Leben“. Da musst du auch mal den Mittelfinger zeigen. Mit dem Sixt-Spot habe ich gesagt: „Leckt mich am Arsch.“ Ich habe gemerkt, dass Glück auch ohne Geld geht. Und als ich vor zwei Jahren auf dem Hessentag in Homberg aufgetreten bin, wusste ich, dass es nichts Schöneres gibt, als von den Menschen gefeiert zu werden.

Sie leben mit Ihrer Familie auf Mallorca. Wie oft sind Sie noch in Ihrer Heimat?

Reim: So oft ich kann. Diesen Sommer war ich mit meinem Vater am Silbersee bei Frielendorf. Es war wie eine Zeitreise. Und am liebsten würde ich bald auch wieder in Nordhessen auftreten. Aber die Homberger Turnhalle ist jetzt zu klein für mich.

Matthias Reim: Sieben Leben (Emi). Wertung: !!!::

Ein Video mit Matthias Reim: www.hna.de/video

Von Matthias Lohr

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