Die Publikumslieblinge Eva Mohn und Ryan Mason tanzen in „roadkill“

Glück in der Provinz

Seit der Spielzeit 2008/2009 in Kassel: Die US-Tänzer Eva Mohn und Ryan Mason. Foto: Ketz

Kassel. Als Ryan Mason im Winter durch die Kasseler Straßen ging, sah er überall sein Gesicht. Riesengroß hing das Porträt des Tänzers an den Litfaßsäulen, auf denen das Staatstheater für die Höhepunkte der Spielzeit warb. Mason fand es ein bisschen komisch, so viele andere Masons zu sehen.

Auch seine Kollegin Eva Mohn war schon Teil der Kampagne und dann froh, als ihr Bild wieder abgehängt wurde. Wenn man sie fragt, ob sie sich wie ein Star fühle, sagt die 27-Jährige: „Ich habe Angst, ein Star zu sein.“

Publikumslieblinge sind Mason und Mohn trotzdem. Wahrscheinlich auch deshalb bekommen die Amerikaner nun ihr eigenes Stück. Im knapp einstündigen „Tanzabend III - roadkill“ steht das Duo ab Donnerstag auf der Bühne des tif.

Die Choreografie von Tanzdirektor Johannes Wieland dreht sich ums Glücklichsein und Fragen wie: Lebt uns das Leben? Leben wir das Leben? Oder liegen wir am Ende wie ein totes Tier am Straßenrand?

Mohn und Mason leben das Leben. Sie kommen aus den Metropolen New York und Los Angeles und haben ihr Glück nun in der deutschen Provinz gefunden. „Als ich nach Kassel kam, konnte ich nach einer Ewigkeit wieder frei atmen“, erinnert sich Mason, der für das Tanzen lebt, wie er sagt, und zuletzt selbst mit einem Kreuzbandriss auf der Bühne stand.

Wieland hat die beiden in New York entdeckt, wo er seine Company unterhält. Beim Vortanzen, erzählt Mohn, „hat Ryan wie ein Tier getanzt“. Der 30 Jahre alte Kalifornier, der am California Institute of the Arts Tanz und Choreografie studierte, war als Teenager Breakdancer - das kann man heute noch in seinen Soli erkennen. „Organisch“ nennt Mohn diesen Stil, die wiederum durch eine hohe Bühnenpräsenz glänzt.

Sie stammt aus einer Künstlerfamilie in Minnesota, wo sie auch studierte, ihre Mutter war Tanzlehrerin. In dieser Spielzeit tanzt sie nur als Gast in Kassel, weil sie Freiheiten haben will für andere Projekte wie ihre Band Coach Said Not To, wo sie mit drei anderen Frauen Indie-Rock spielt.

Notfalls könnte sie zur eigenen Musik tanzen. Die Komposition für „roadkill“ stammt jedoch von dem in Island lebenden Australier Ben Frost, der sonst mit Größen wie Björk zusammenarbeitet und nun Ambient, Folk und Metal mit Naturklängen verbunden hat.

Ein Video zum Stück wurde eigens auf dem Flughafen Paderborn gedreht. In den Drehpausen muss sich Mohn manchmal wie ein Star gefühlt haben: Bei Regen und Wind im kalten deutschen Frühling wurde sie gleich von mehreren Helfern mit Decken und Regenschirm gewärmt.

Tanzabend III - roadkill. Uraufführung am Donnerstag, 20.15 Uhr, Theater im Fridericianum. Karten: 0561/1094-222.

Von Matthias Lohr

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