Cellist Wen-Sinn Yang beim Kultursommer

Glühende Töne

Rotenburg. Beim Kultursommer Nordhessen sind sogar die Einspringer großartig. Diese Erkenntnis brachte das Konzert im Gemeindehaus St. Georg in Rotenburg. Ursprünglich sollte dort „Die schöne Müllerin“ erklingen, doch wegen einer Erkrankung des Sängers Florian Prey musste kurzfristig vom Liederabend auf Kammermusik umgesattelt werden. So kam das Publikum in den Genuss, den Cellisten Wen-Sinn Yang zu erleben.

Der nahm die 70 Besucher zur Begrüßung mit entwaffnendem Charme für sich ein und brillierte dann als Meistercellist. Da gab es eine gleichsam sprechend-singende Ausdruckskraft, eine astreine Intonation und absolute Kontrolle in der Leidenschaft. Es war ein wunderbar souveräner Auftritt des in Bern geborenen Musikers taiwanesischer Abstammung, der früher als Solocellist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gewirkt hat und als Professor an der Münchner Musikhochschule lehrt.

Leidenschaftliches, Elegisches, Fantastisches von Camille Saint-Saëns, Gabriel Fauré und Robert Schumann schmückte das Programm, und einmal schwirrte gar ein Schmetterling durchs Gemeindehaus („Papillon“ op. 77 von Fauré). Gewichtig das Werk in der zweiten Konzerthälfte, denn da boten Wen-Sinn Yang und die gleichfalls hochversierte Pianistin Chifuyu Yada die Cellofassung der großen Violinsonate von César Franck.

Das muss man Wen-Sinn Yang erst einmal nachmachen: Als er die Franck-Sonate anmoderierte, schaffte er es, den in Kammerkonzerten gewiss selten zu hörenden Namen Lothar Matthäus in eine charmante Pointe einzuschmuggeln. Doch dann schaltete der Musiker auf Konzentration, schickte glühende, vulkanheiße Cellotöne durch den Saal. Begeisterter Applaus, zwei Zugaben.

Von Georg Pepl

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