Klavierfestival in Niestetal beginnt

Niestetal. Ob Domenico Scarlatti (1685-1757) Regentropfen beobachtete, die auf seiner Fensterbank tanzten, als er seine Sonate C-Dur K.159 schrieb? Könnte sein. Auch für die aus der Ukraine stammende Pianistin Marina Baranova haben inspirierende Bilder große Bedeutung.

Als sie drei Jahre alt war, beschrieb ihr die Mutter Musik mit fantasievollen Bildern. Heute gilt die 29-Jährige als Pianistin der Extra-klasse. Mit zwei Scarlatti-Sonaten eröffnete sie am Dienstag das „Internationale Klavierfestival“. Bis in den Vorraum wurden Stühle aufgestellt, um des Andrangs Herr zu werden.

Scarlatti sagte einmal: „Die Natur hat mir zehn Finger gegeben. Ich wüsste nicht, warum ich sie nicht alle zehn gebrauchen sollte.“ Für Baranova kein Problem. Sie hat mehr zu bieten als flinke Finger plus Anderthalb-Oktaven-Griff. Besonders in den dynamischen Phasen war sie an diesem Abend unglaublich präzise. Es folgten Beethovens „Waldstein“-Sonate und Schumanns „Variationen über den Namen ABEGG op 1“. In den ruhigeren, zärtlichen Passagen gelang ihr die emotionale Hingabe nicht völlig.

Mit Chopins „Etude a-Moll op.25 Nr.11 und Debussys „Insel der Freude“ folgten weitere Prachtstücke aus der Juwelierwerkstatt der Klassik. Nach der Pause der Höhepunkt: Mit dem in Australien geborenen Pianisten Ashley Hribar kredenzte sie Rachmaninoffs „Concerto Nr. 2“. Es ist bis heute populär wegen seiner liedhaft-melodiösen Themen. Jetzt, Seite an Seite, stimmten die Emotionen. Von glutvoll bis gefühlvoll, von aufwühlend bis zärtlich spielten sich Baranova und Hribar die Themen zu, inspirierten einander, ergänzten sich und harmonierten prächtig. Jubelnder Applaus.

Klavierfestival heute, 19.30 Uhr: Hae Won Shin, Musikhochschule Detmold. Freitag: Rostocker Klavierduo Olha Chipak und Oleksiy Kushnir.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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