Die Göttin tanzt Samba: Das Jazz-Trio FN 22 im Schlachthof

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Humorvolle Leichtigkeit: Urban Beyer (Piano), Heiko Eulen (Bass) und Jörg Müller-Fest (Schlagzeug) im Schlachthof.

Kassel. Der Jazz dieses Trios kommt vordergründig auf Samtpfoten daher. Aber dann fährt das Kätzchen seine Krallen aus und es heißt: aufgepasst! Früher nannten sich Urban Beyer (Piano), Heiko Eulen (Bass) und Jörg Müller-Fest (Drums) Blue Lounge.

Daraus ist nun FN 22 geworden, wobei das Kürzel lediglich für den Übungsraum in der Friedrich-Naumann-Straße 22 steht.

Aber man wolle mit dieser neuen Bezeichnung auch kundtun, dass man keine Hintergrundmusik mache, sondern komplexer geworden sei. Davon konnten sich vorgestern im Schlachthof erstaunlich viele Besucher überzeugen. Wofür Beyer artig dankte, nicht ohne ehrlicherweise zu bemerken, dass er an diesem lauen Abend selbst nicht in ein Jazz-Konzert gegangen wäre.

Das Repertoire des Kasseler Trios speist sich eigentlich aus fast allem: Jazz-Standards wie „The Girl from Ipanema“, Musical- und Operettenmelodien („Anatevka“, Lehars „Dein ist mein ganzes Herz“) oder Klassik wie Tschaikowskys „Rosenwalzer“. Das alles wird munter bearbeitet, verfremdet, zerlegt und höchst originell neu zusammengefügt.

So verwandelt sich Chris Barbers kaum noch zu ertragender Bierzelt-Dixie-Reißer „Ice Cream“ in eine aufregend verfremdete Funky-Nummer, und aus Brubecks „Castillian Drums“ machen sie einen Salsa im 5/4-Takt.

Für den Herbst kündigt Beyer, der mit seinen witzig-selbstironischen Ansagen die humorvolle Leichtigkeit dieser Musik unterstreicht, eine Art Götterlehre für Jazz-Trio an. Zwei Kostproben lassen aufhorchen: Totengott „Hades“ beginnt mit einem wüsten Intro, aus dem sich komplexe Strukturen schälen, und die Blumengöttin „Flora“ flattert freizügig und leichtfüßig im Samba-Rhythmus daher. Was könnte besser passen?

Es gibt eine Zugabe. Schön, dass Beyer und seine Kollegen zu ihrem Jazz-Konzert gekommen sind.

Von Andreas Gebhardt

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