Literarischer Frühling: Mario Adorf kam zur Premiere des Films „Der letzte Mentsch“

Goldener Schauspielglanz

Eine Filmlegende zu Gast in Frankenberg: Der 83-jährige Mario Adorf stellte seinen neuen Film „Der letzte Mentsch“ im Thalia-Kino vor. Foto:  Jaeger

Frankenberg. Zur Filmpremiere beim Literarischen Frühling war Schirmherr Mario Adorf selbst nach Frankenberg gekommen. Am Sonntagnachmittag wurde der Film „Der letzte Mentsch“ (Regie: Pierre-Henri Salfati) im Thalia-Kino von Frankenberg vor ausverkauftem Haus erstmals gezeigt. Darin spielt Adorf einen alten Juden, der als 15-Jähriger dem KZ entkommen war und nach der Befreiung einen anderen Namen annahm, um zu vergessen. Aus Menahem Teitelbaum wurde Marcus Schwarz. Doch die Wurzeln waren nie ganz gekappt. „Jude sein ist ein unheilbare Krankheit“, sagt er im Film.

Der Gang über einen jüdischen Friedhof lässt den dringenden Wunsch aufkommen, als Jude beerdigt zu werden. Doch die Glaubensgenossen brauchen Beweise, die Nummer auf dem Arm reicht ihnen nicht. Die junge Deutschtürkin Gül (Katharina Derr), die eine Brücke zur jungen Generation schlägt, fährt Schwarz aus einer Augenblickslaune heraus in seine ungarische Heimat. Die Sache wird schwierig. Strikte Regeln stehen dem Plan entgegen. Auch Hannelore Elsner als die blinde Ethel, die ihn zum Schein als eine Jugendbekanntschaft erkennt, wird abgewiesen.

Der alte Mann wird erst als Jude wiederaufgenommen, als eine Frau ihn erkennt. Doch da ist er gerade in einer ukrainischen Synagoge gestorben. Das türkische Mädchen erlebt eine Geschichtslektion und die Zuschauer sind von der außergewöhnlichen Geschichte angerührt. Der 83-jährige Adorf, der fast ununterbrochen auf der Leinwand zu sehen ist, braucht diesmal keinen Bösewicht zu spielen, um seine 60-jährige Schauspielkunst zu goldenem Glanz erstrahlen zu lassen.

Mario Adorf stellte sich den Fragen der Journalistin Bettina Musall („Der Spiegel“). Er erzählte, wie er das Kriegsende erlebt hat, wie er zuvor als 13-Jähriger zur Wehrmacht verpflichtet wurde und warum er immer wieder Rollen spielte, die mit der deutschen Vergangenheit zu tun haben. Das Böse im Menschen, das eben nicht „unmenschlich“ sei, hat ihn immer beschäftigt.

Gern hätte man noch gewusst, warum der Schauspieler gerade diese Rolle annahm und ob es auch in seinem Leben Dinge gibt, die im Alter wieder auftauchen, obwohl er sie für überwunden hielt.

Der Bundesstart für „Der letzte Mentsch“ ist am 8. Mai., das Festival Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg läuft noch bis 6. April. www. literarischer-fruehling.de

Von Johannes Mundry

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