Lemmy Kilmister wird 65 und macht mit Motörhead nichts Neues

Gott lärmt wie immer

Lemmy Kilmister findet es wohl besonders lustig, dass er an einem 24. Dezember geboren wurde. Der Sänger der Hardrockband Motörhead wird heute 65, und so muss man ausgerechnet an Heiligabend diese ganz und gar unweihnachtlichen Dinge erzählen aus seinem Leben.

Der Sohn eines protestantischen Pfarrers aus dem mittelenglischen Stoke-On-Trent ist berühmt geworden als Sänger und Bassist der angeblich lautesten Band der Welt, aber auch mit Bekenntnissen wie diesen: Vom Trinken bekomme er keinen Kater mehr, erzählte Ian Fraser Kilmister einmal, weil er einfach nicht mehr aufhöre. Er raucht wie ein Schlot und brüstet sich damit, Hunderte von NS-Devotionalien in seinem Haus in Los Angeles zu haben.

Auf dem nun erschienenen 20. Motörhead-Album verkündet er auch noch: „Rock’n’Roll ist die wahre Religion. Ich werde sie ausüben bis zum Tag, an dem ich sterbe“. Anders als das Christentum könne man seine Religion auf CD kaufen, und sie komme bei Frauen besser an. Der Mann mit den warzenähnlichen Leberflecken muss es wissen. Angeblich hat er mit 1000 Frauen geschlafen, was er gar nicht so viel findet: „Wenn du die auf all die Jahre umrechnest, ist das auch nicht mehr als eine pro Woche.“ Das ist trotzdem keine schlechte Quote für die hässlichste Fratze des Rock ’n’ Roll.

Lemmy, sagen seine Fans, ist Gott. Und Gott verzeiht man so einiges. Zum Beispiel ein sehr durchschnittliches neues Album. Auf „The Wörld Is Yours“ machen Motörhead nichts anderes als immer: Die Gitarren dröhnen, die Regler seines Basses hat Kilmister ganz nach oben gedreht, und seine Stimme, schrieb ein Kritiker, klinge immer noch so, „als müsste er sie von ganz unten, irgendwo bei den Hoden, herauf pressen“. Das lieben nicht nur harte Jungs, auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Motörhead auf seinem iPod.

Die Songs handeln von den üblichen Rock-Klischees und heißen „Born To Lose“ oder „I Know How To Die“. Das mit dem Sterben wird bei Lemmy wohl noch etwas dauern. Im Frühjahr kommt er erst einmal mit der Doku „Lemmy“ von Greg Olliver und Wes Orshoski in die Kinos. Darin sagt der atheistische Rock’n’Roll-Gott: „Ich habe viel Ähnlichkeit mit Buddha. Ich sitze nur da und sehe zu, wie die ganze Scheiße vorbei zieht.“

Motörhead: The Wörld Is Yours (EMI). Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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