Umjubelte Aufführung von Mendelssohns berührendem Oratorium „Elias“ von der Kantorei Kirchditmold

Gottes gerechter Streiter

Begeisternd: Leiter Michael Gerisch (vorn), die Kantorei Kirchditmold , Musiker des Staatsorchesters und Solisten musizierten Mendelssohns Oratorium „Elias“. Foto: Schachtschneider

KASSEL. „Es ist genug“. Voller Verzweiflung und Lebensüberdruss zieht sich der Prophet Elias in die Wüste zurück, da das Volk Israel sich von ihm und seinem göttlichen Heilsversprechen abgewandt hat. Der international hoch geachtete Bariton Klaus Mertens brachte die Seelenqualen seines Elias mit vollendeter Zartheit zum Klingen und schlug, nicht nur mit dieser Arie, das Publikum in der voll besetzten Kirche Kirchditmold am Sonntag in seinen Bann.

Die Kantorei Kirchditmold unter der Leitung von Michael Gerisch, das exquisite Solistenquartett und Musiker des Staatsorchesters Kassel brachten Felix Mendelssohns berühmtes Oratorium auf emotional aufwühlende Weise und mit Brillanz zur Aufführung. Michael Gerisch animierte Chor und Orchester zu einem rhythmisch klar akzentuierten Musizieren ohne Pathos, im Orchester mit manchmal schon barock anmutendem Klang. Und das scheint, da Mendelssohn ja ein ausgewiesener Bachkenner war, folgerichtig.

Mendelssohns Musik bietet nicht nur dem Sänger der Hauptpartie des Elias Gelegenheit zum Glänzen: Traudl Schmaderer tat dies zweifach: Als Witwe, deren Sohn von Elias geheilt wird, zeigte sie Dramatik und Strahlkraft, um später in der Arie „Höre Israel“ mit feinster Klangkultur das Volk zur erneuten Hinwendung zu Gott aufzurufen. Die Altistin Sonja Koppelhuber gestaltete ihre Partie der Königin mit dunkler Klangfülle und viel Vibrato. Marcus Ullmann brachte seinen lyrischen Tenor in der Arie „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ zum Strahlen. Bestens disponiert zeigte sich der Chor: textverständlich, homogen und höhensicher war des Volkes Stimme in den besten Händen. Schön auch das Engelsterzett in den Frauenstimmen.

Die einzige Komplikation war nicht musikalischer Natur: Eine Choristin kollabierte, das Konzert wurde unterbrochen. Jedoch Ende gut, alles gut: Zum Schluss wurden alle Akteure mit Ovationen bedacht und von Beifall umtost.

Von Susanna Weber

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