Die Kasseler Orchesterpraktikanten, acht junge Musikerinnen und ein Musiker, stellten sich im Konzert vor

Aus dem Graben auf die Bühne

Geigen mit Schwung: (von links) Dan Song, Vasilisa Klynshkina, Anton Keer und Yukiko Mori. Foto: Koch

Kassel. Im Staatsorchester übernehmen sie noch keine solistischen Aufgaben: die Praktikanten der Kasseler Orchesterakademie. Doch einmal in ihrem Praktikumsjahr sollen sie sich auch solistisch präsentieren - in einem Kammerkonzert.

In unterschiedlichen Besetzungen, vom Solo bis zum Sextett präsentierten sich jetzt die neun Nachwuchsmusiker, davon acht Frauen, im Opernfoyer vor knapp 100 Besuchern. Ein Programm, das vor der Pause Häppchencharakter hatte. Aber auch die können ja gut schmecken.

Zum Beispiel zwei Telemann-Concerti à vier Violinen, die von Dan Song, Vasilisa Klynshkina, Anton Keer und Yukiko Mori gut intoniert und mit Schwung gespielt wurden. Etwas mehr Mut, die harmonischen Schärfen in den langsamen Teilen des D-Dur-Konzerts zu betonen, hätte man dem Quartett gewünscht.

Zwei Duos für Viola und Violoncello vom Kasseler Komponisten Ivan Dorenburg, gespielt von Yvonne Zoeke (Viola) und Elisabeth Keseberg (Violoncello), verbreiteten mollgefärbte Melancholie. Geprägt waren „Mila“ und „Zweisam“ durch viele kleine Intervallschritte und einen begrenzten Ausdrucksrahmen.

Hochexpressiv dagegen Sergej Rachmaninows Lento lugubre aus dem Trio élégiaque, engagiert gespielt vom Geiger Anton Keer, der Cellistin Berenike Derbidge und der Pianistin Shanji Quan, wobei die beiden Streicher später beim Sextett von Nikolai Rimsky-Korsakow noch eine Schippe drauflegten.

Mit zwei eingängigen Stücken für Marimbafon und einem toll gespielten Schlagzeugsatz von Iannis Xenakis, „Rebonds B“, zeigte die Schlagzeugerin Nora El-Ruheibany ihr Können. Besonders schön die Mischung von Verspieltheit und Strenge beim Stück des griechischstämmigen Avantgardisten.

Aus der Stammbesetzung des Orchesters übernahm Lisa Kawasaki den führenden Flötenpart im Mozart-Quartett KV 298. Zusammen mit Yukiko Mori, Yvonne Zoeke und Elisabeth Keseberg ergab sich ein munteres, klanglich gut ausbalanciertes Ensemblespiel.

Das gewichtigste Werk stand am Schluss: Rimsky-Korsakows fünfsätziges Streichsextett A-Dur. Anton Keer und Vasilisa Klynshkina (Violinen), Delia Jitariu und (als Gast) Johanna Alpermann (Violen) sowie Berenike Derbidge und Elisabeth Keseberg (Celli) liefen bei diesem ebenso virtuosen wie wirkungssicheren Stück zu großer Form auf.

Besonders schön das funkelnde Scherzo und das melodiöse Andante. Auch wenn Rimsky-Korsakow seine musikalischen Themen gelegentlich totreitet, so lebendig gespielt, war das Sextett ein Hörvergnügen. Das Publikum jedenfalls dankte den jungen Musikern mit langem Beifall.

Von Werner Fritsch

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