Grabenkrieg der Generationen: Oskar Roehlers Film „Quellen des Lebens“

Familiendrama: Mutter, Sohn und Schwiegertochter, Elisabeth (Meret Becker, von links), Klaus (Moritz Bleibtreu) und Gisela (Lavinia Wilson). Foto: X-Verleih

Die eigene beschädigte Biografie und die Traumata der Kindheit waren für den Filmemacher Oskar Roehler immer auch ein kreatives Fundament. Daraus speiste sich die selbstzerstörerische Wut seiner frühen Filme wie „Der alte Affe Angst“, aber auch das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Porträt seiner Mutter in „Die Unberührbare“.

Nun erzählt Roehler die Geschichte seiner Familie über drei Generationen hinweg und zeichnet ein vielschichtiges Bild seiner verstörenden Kindheit. Der Film „Quellen des Lebens“ beginnt mit dem Großvater väterlicherseits (Jürgen Vogel), der 1949 aus der Kriegsgefangenschaft kommt und mithilfe seines Sohnes Klaus (Kostja Ullmann/Moritz Bleibtreu) eine Gartenzwergfabrik aufbaut. Aber der Junior träumt von einer Schriftstellerkarriere und lernt Gisela (Lavinia Wilson) kennen - mit beißendem Hass auf ihre großbürgerliche Herkunft.

Als Gisela schwanger wird, heiraten die beiden, aber um den Nachwuchs will sich keiner kümmern. Die Mutter wird Schriftstellerin und verlässt Mann und Kind. Der alkoholsüchtige Vater ist mit der Betreuung des Jungen überfordert. Fortan wird Robert zwischen den Großeltern hin und her geschoben.

Aus der Odyssee des verstörten Kindes entwickelt sich auch eine mentale Reise durch die Kulturgeschichte der alten Bundesrepublik, wo in den Sechzigern der Generationskonflikt zwischen den Nazi-Eltern und Apo-Kindern mit unnachgiebiger Härte ausgetragen wird. Dabei wird der kleine Robert als Alter Ego des Regisseurs zerrieben.

Dass Roehler, der hier sein Romandebüt „Herkunft“ verfilmt, mit dem Narzissmus der Elterngeneration härter ins Gericht geht als mit der Nazi-Vergangenheit des Großvaters, ist aus der subjektiven Sicht des Kindes verständlich. Dennoch bemüht sich der Film, das Versagen der Eltern im Kontext zu verstehen, und zeigt die ungeheuren lebensenergetischen Reibungsverluste, die hier im Grabenkrieg der Generationen aufgebracht wurden, um sich von seiner Herkunft zu lösen. Dass es aus der eigenen Lebensgeschichte dennoch kein Entrinnen gibt und es darauf ankommt, die eigenen Erfahrungen ins Produktive zu wenden - dafür ist Roehlers Familienepos ein gutes und interessantes Beispiel.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Vier von fünf Sternen

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