Grandioser Schauplatz in Kassel: Lichtkunst am Weinberg

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Leuchtende Stelen: „Unendliche Welten“ der Kölner Künstler Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov.

Kassel. Die Ausstellung „Licht(e) Wege“ bezaubert aufs Neue - und ist diesmal eine Werbung für die Weinbergterrassen.

Walt Disney als Teilnehmer von „Licht(e) Wege“? Der Blick in den Flyer irritiert. Und doch: Bei der faszinierenden Lichtkunst-Präsentation auf den Weinbergterrassen, projiziert auf die mächtigen Betonträger der Brücke unterhalb des Sepulkralmuseums, läuft der Film „Skeleton Dance“, den der legendäre Produzent 1929 verantwortete.

Skelette steigen aus den Gräbern, Gerippe klappern und schütteln sich, verwenden ihre eigenen Knochen, blitzschnell zerlegt, als Instrumente. Up Iwerks zeichnete, Carl W. Stalling schuf die Musik für diesen Totentanz in Schwarz-Weiß. Eine Leihgabe des Museums für Sepulkralkultur und ein besonderer Akzent der Schau - dort, wo bei der documenta vor zwei Jahren Adrían Villar Rojas Glocken aus Ton ausgebreitet hatte.

Auf mehrere Terrassen des Weinbergs hatte der argentinische Künstler 2012 seine Figuren gesetzt, einen acht Meter langen Knochen, eine Frauenfigur, die Ferkel säugt, ein riesiges Rad. Die documenta öffnete den Kasselern damals die Augen dafür, welch wunderbares Areal am Weinberghang seit Jahrzehnten brachlag. Diese Entdeckung wird nun in Erinnerung gerufen, die Eignung der Terrassen für künstlerische Interventionen bekräftigt.

Die zauberhafte Atmosphäre des Geländes, so stadtnah wie abseits, ja der Stadt mit ihrem Trubel „enthoben“, eignet sich hervorragend für die Schau, die wieder mit viel Einsatz von Herwig Thol und Markus Hutter organisiert worden ist. „Licht(e) Wege“ ist - wie zuletzt auf der Insel Siebenbergen, aber doch ganz neu - eine großartige Bereicherung des Kasseler Sommers, ob man nun die Kunst über die mühevoll wie geschickt beleuchteten Treppen, Pfade und Durchgänge in der Dämmerung erkundet oder einfach im Liegestuhl an der Bar am alten, halb verfallenen Gewächshaus ein Glas Wein genießt, mit dem Blick auf die Lichter der Südstadt. Viele Besucher versuchen, mit der Kamera die flüchtigen Effekte des Parcours festzuhalten - wie die hübschen, bläulich leuchtenden Seifenblasen von Silke Rokitta und Matthias Restles fragiles Gebilde, das er aus Fallholz zusammengesetzt hat und das alle zwölf Minuten angestrahlt wird und dann nachglimmt.

LICHT(e)WEGE auf dem Weinberg

Zwölf Arbeiten sind zu sehen, einige setzen sich mit dem Weinberg auseinander, beziehen sich auf die Architektur, wie Katrin Leitner mit ihren leuchtenden Kristallen in einer verschütteten Pagode. Veldhues/Schumacher zaubern ein Gespinst auf die Fassade der neuen Grimm-Welt, als liege die Baustelle im Dornröschenschlaf wie viele Jahre der Weinberg. Höhepunkte sind das Haus von Axel Kretschmer mit seiner Hülle aus Dias, die leuchtenden Türme aus Obstkisten (Kuznetcowa/Edisherov) und natürlich die riesige beleuchtete Iris, die Zeev P. Novak ins Dunkel gestellt hat.

Service 

„Licht(e) Wege“, die Lichtkunstausstellung auf den Weinbergterrassen, hat bis 24. August täglich von 20 bis 0.30 Uhr geöffnet. Es gibt zwei Zugänge: von der Frankfurter Straße gegenüber der Straßenbahn-Haltestelle und von der Weinbergstraße nahe dem Sepulkralmuseum. Eintritt: 6, ermäßigt 5 Euro. Dauerkarte: 18 Euro. Kinder bis 12 Jahre frei. Es gibt einen hilfreichen Flyer mit Lageplan und Erläuterungen. Die Getränkebar ist während der gesamten Öffnungszeiten offen. Die Licht-Kunstwerke werden mit Beginn der Dunkelheit teilweise viertelstündlich aktiviert.

Von Mark-Christian von Busse

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