Neujahrskonzert mit Siegfried Heinrich und dem Orchester Virtuosi Brunensis im Anthroposophischen Zentrum

Grazie und Tragik im traurig schönen Rokoko

Siegfried Heinrich Foto:  nh

KASSEL. Zu ihrem traditionellen Neujahrskonzert hatten der Dirigent Prof. Siegfried Heinrich und das Orchester Virtuosi Brunensis geladen. Eines der schönsten Cellowerke gab es dabei im sehr gut gefüllten Anthroposophischen Zentrum: Tschaikowskys Rokoko-Variationen.

Der ausgezeichnete, mit kräftigem Beifall bedachte Cellosolist Rouven Schirmer spielte sie zuversichtlich virtuos, drängend und füllte den Saal mit seinem großen Ton. Wie er nach expressiver Überleitung die traurige Weise der sechsten Variation zum Klingen brachte, war einer der stärksten Momente des ganzen Abends. Die Spanne zwischen aristokratischer Grazie und tragischer Verdunkelung macht Tschaikowskys Rokoko so faszinierend - ambivalente Gefühlslagen, die den russischen Komponisten mit seinem Abgott Mozart verbinden.

Mozart selbst war mit dem Konzert für Flöte, Harfe und Orchester vertreten, dessen Tempi Heinrich fast überraschend flott nahm.

Fein abgeschmeckt

Ein weicher Sound kam aus der Holz-Querflöte von Petr Pomkla, aber die rauschenden Harfentöne von Katrina Szederkenyi schienen nicht immer optimal gestimmt.

Reiner klangen Claude Debussys Danse sacrée und Danse profane für Harfe und Streichorchester - aparte Stücke, fein abgeschmeckt. Mit Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ hatte der Abend begonnen, zum Ausklang des offiziellen Programms erfreute Weltliches aus der Feder von Johann Strauss.

In den Zugaben folgten die Pizzicato-Polka und eine Schleichwerbung, wie Heinrich launig ankündigte. Fulminant spielten die Virtuosi Brunensis zuletzt den Tanz der Komödianten aus Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“, die im August bei den Opernfestspielen in Bad Hersfeld aufgeführt wird.

Von Georg Pepl

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