Gregor Meyle trifft im Kasseler Kulturzelt mitten ins Herz

Unspektakulär, aber unglaublich erfolgreich: Der Schwabe Gregor Meyle im Kulturzelt. Foto: Schachtschneider

Gregor Meyle ist ein unspektakulärer Musiker, aber dank seiner TV-Präsenz gefragt wie derzeit kaum ein anderer. Im Kulturzelt machte der Pop-Aufsteiger seine Fans glücklich.

Als hätte er es gewusst, fasste Gregor Meyle am Donnerstag im ausverkauften Kasseler Kulturzelt schon im ersten Stück zusammen, was am Ende alle dachten: „Jeder Moment bleibt ein Geschenk, ich bleib dankbar.“ Dankbar für zweieinhalb Stunden prallgefüllt mit verträumten Songperlen, launigen Melodien und einer Band, auf die der 36-Jährige zu Recht stolz ist.

Stolz macht auch die große Zuhörerschar, erinnert sich der Stuttgarter doch noch an seinen ersten Auftritt in Kassel: „Das war im Schlachthof, und vor der Bühne standen gerade einmal 24 Leute.“

So hätte es vielleicht auch diesmal wieder ausgesehen, wäre Meyle nicht mit medialer Wucht publikumsstarker TV-Formate wie Xavier Naidoos Vox-„Tauschkonzert“ regelrecht in die Köpfe der Menschen geprügelt worden. Eigentlich nämlich ist das, was er tut, nicht spektakulär. Oder besser gesagt, wenig auffällig, denn Meyle verzichtet auf Firlefanz und macht schlicht das, was er am besten kann: Musik.

Die trifft, wenn sie einen erst mal erreicht hat, mitten ins Herz, das er in Songs wie „Hier spricht mein Herz“ dann auch direkt selbst Geschichten erzählen lässt, Geschichten von Liebe, Beziehungen und den alltäglichen Dingen des Lebens. Das ist auf den ersten Blick - wie der gesamte von Raab, Naidoo und Co. neu mit dem Status „Popstar“ ausstaffierte Meyle - ein wenig unscheinbar, poetische Tiefe aber findet sich dann doch, wenn man beim Lauschen erst mal sein Herz geöffnet hat.

Das taten seine Kasseler Fans und schmolzen dahin bei Zeilen wie „Wenn ich in deine Augen sehe, weiß ich, ich bin zu Haus.“

Doch sind es nicht nur die leisen Töne, die Meyle und seine sechs Musiker beherrschen. Ordentlich zur Sache geht es, wenn sie ihr Publikum mitnehmen zur schottischen Hochzeit, auf der Christian Herzberger zu „Frei mit dir“ seine Teufelsgeige singen lässt, die ruhig auch im Rest des Konzertes opulenter hätte eingesetzt werden können.

Selbiges gilt für die zauberhafte Stimme von Backgroundsängerin Jemma Endersby. Eher im Hintergrund Gitarrist Markus Vollmer und der Kasseler Pianist Andreas Gundlach.

Die musikalischen Hauptrollen übernahmen Schlagzeuger Massimo Buonanno und Bassist Dominik Krämer, die ihrem Chef ein fettes Sound-Fundament lieferten, auf dem er sich trotz Saunatemperaturen genüsslich austobte, bis hin zum sympathisch improvisierten Kassel-Song samt Karibik-Flair und einer finalen Sitzkissenschlacht mit den Fans.

All das verdient eine große Portion Dankbarkeit, denn so machte Meyle jeden einzelnen Moment zum Geschenk.

Kulturzelt am Freitag: Lisa Simone.

Kulturzelt am Samstag: Die Orsons.

(Jeweils 19.30 Uhr)

Gregor Meyle spielt auch am 4. Dezember in der Kasseler Stadthalle. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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