Eröffnung der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche mit dem Detmolder Ensemble Horizonte

Die Grenzen sind wieder offen

Gelungener Auftakt: Harfenistin Lydie Römisch in der Alten Brüderkirche. Foto: Schachtschneider

Kassel. Gérard Grisey, Salvatore Sciarrino? Noch nie gehört, werden viele sagen, obwohl die beiden zu den bedeutenden Komponisten der Neuen Musik zählen. Es ist eine Stärke der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche, dass sie Musik präsentiert, die man sonst nie zu hören bekäme.

Bereits im achten Jahr entwirft das Festival Gesamtkunstwerke mit Sprache, Musik und bildender Kunst. Auf der Grundlage „Freier Einritt, Spende erbeten“ kann das Publikum bis zum September bei sieben (!) Veranstaltungen Begegnungen zwischen den Künsten erleben, diesmal mit dem Motto „Auf der Grenze“.

Die Grenze zwischen Meer und Himmel verschwamm in Etta Gerdes’ Fotografien, die es bei der Eröffnung neben den Wortbeiträgen von Pfarrer Frank Bolz und der Musik des Detmolder Ensembles Horizonte gab. In einem Bläsertrio von Salvatore Sciarrino (Jahrgang 1947) waren außergewöhnliche Klänge in zwingende Dramatik gespannt. Und in einem von Véronique Bastian suggestiv gespielten Bratschenstück von Gérard Grisey (1946-1998) löste sich die Grenze zwischen dem Verlockenden und Schrägen auf.

So bekamen 70 Besucher Einblick in eine wichtige Richtung des zeitgenössischen Komponierens, denn Grisey zählt zu den Begründern des so genannten Spektralismus, der ausgehend vom Obertonspektrum frappierend neue Kreationen schafft. Außerdem erklang eine aparte Monteverdi-Hommage des Ensemble-Leiters Jörg-Peter Mittmann und ein indisch inspiriertes Stück von Sebastian Sprenger, bei dem die sieben Musiker wirkungsvoll im Raum verteilt waren.

Apropos Raum: Fast fertig renoviert ist die Alte Brüderkirche, die nun innen leuchtet und strahlt. Auch das trug zum Reiz der Veranstaltung bei, die mit Grußworten von Pfarrerin Gabriele Heppe-Knoche, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Prälatin Marita Natt und Dekanin Barbara Heinrich eröffnet wurde.

Von Georg Pepl

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