Der größte Betrüger des Sports: Doku über Lance Armstrong

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Lance Armstrong

Radsport-Deutschland ist wieder im Gelb-Fieber. Eine spannende Doku erinnert passenderweise nun an den Doper Lance Armstrong, der die Tour de France sieben Mal im Stile eines Mafia-Paten gewann.

Auch Jürgen Klopp sollte sich die Dokumentation „Ausgebremst - Die Lance Armstrong Story“ unbedingt ansehen. Als der US-Radrennfahrer vor zweieinhalb Jahren gestanden hatte, dass er bei allen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt war, sagte der Fußballtrainer: „Es gibt schlimmere Verbrechen. Er ist auch ein Opfer. Er tut mir leid.“

Regisseur Alex Holmes zeigt in seinem packenden 97-minütigen Film, dass Armstrong eben nicht nur einer unter vielen Dopern war, sondern ein Krimineller, der Menschen einschüchterte und drohte sie zu zerstören, nur damit alle weiter an den Weihnachtsmann glauben konnten.

Seine Kontrahentin: Betsy Andreu.

Die wichtigste Zeugin in der Doku, die der WDR kurz vor Beginn der Tour de France zeigte und weiterhin in der Mediathek abrufbar ist, ist Betsy Andreu, deren Mann Frankie beim Team US Postal Ende der 90er-Jahre Armstrongs Helfer war. Die Amerikanerin war 1996 Zeugin, als Ärzte den krebskranken Armstrong fragten, ob er jemals gedopt habe. Der Texaner antwortete damals ungerührt, dass er Epo, Wachstumshormone, Testosteron, Steroide und Cortison genommen habe.

Nachdem Andreu dies öffentlich gemacht hatte, wurde sie von Armstrong mehr oder weniger für verrückt erklärt. Und dem ehemaligen Tour-de-France-Sieger Greg LeMond, der geargwöhnt hatte, Armstrong sei der „größte Betrüger der Sportgeschichte“, dichtete er Alkohol- und Drogenprobleme an. Geschäftspartner schauten LeMond nicht mehr an: „Armstrong wollte mich schrittweise zerstören.“

Holmes erzählt die Geschichte in schnell geschnittenen Bildern und so spannend wie eine Bergetappe hinauf nach L’Alpe d’Huez. Zahlreiche Weggefährten und geständige Doper kommen zu Wort. Tyler Hamilton sagt: „Es war wie im Wilden Westen.“ Schon zu Beginn seiner Karriere betrügt Armstrong. Den Sieg beim „Million Dollar Race“ 1993 in Philadelphia kauft er sich - dem favorisierten Italiener Roberto Gaggioli gibt er nach dem Rennen 100.000 Dollar ab, weil er ihn am Ende wie abgesprochen fahren ließ.

Als er den italienischen Doping-Arzt Michele Ferrari kennenlernt, sagt er zu ihm: „Du machst weiter mit deinem Job als Frankenstein, und ich werde das beste Monster, das du jemals erschaffen hast.“

Dieses Monster kennt keine Skrupel. Mit seiner Stiftung ist der von den Toten auferstandene Held Vorbild für Millionen Krebspatienten. Niemals würde er dopen und so den Glauben der Kranken zerstören, sagt er einmal in die Kamera. Dieser Mann, der nun alles verloren und trotzdem bis heute nicht die ganze Wahrheit gesagt hat, verdient kein Mitleid.

Die "Lance Armstrong Story" in der WDR-Mediathek.

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