Mit Groove und Feingefühl: Mojo Vibes im Theaterstübchen

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Pate standen Größen der Latin-, Jazz- und Swingwelt: Mojo Vibes mit Richard Nagy-Mink (von links), Gitarrist Frank Matthäus und am Schlagzeug Christoph Kott.

Kassel. Schlagzeuger sind hart im Nehmen. Zumindest Christoph Kott von der Formation Mojo Vibes kann man das attestieren.

Kurz bevor er und seine Band am Montag im Theaterstübchen loslegen wollten, schrammte er sich den Kopf so kräftig an einem der Fernsehgeräte im Club, dass eine dicke, blutende Platzwunde die Folge war. Und nun? Konzert absagen? Von wegen.

Ab ins nächste Krankenhaus, die Wunde wurde genäht und keine halbe Stunde später wirbelte Kott schon wieder am Schlagzeug.

Der Musik von Mojo Vibes tat die Aufregung keinen Abbruch. Prächtig kam die rüber. Zeitgenossen, die meinen, die Musik einer Band, in der Orgel und Vibrafon dominieren, müsse etwas angestaubt Getragenes haben, waren sicher noch nicht in einem Konzert von Mojo Vibes. Frisch, schwungvoll, rhythmisch kamen die Interpretationen rüber, aber auch warm und zärtlich, wenn Balladen angesagt waren.

Pate standen Stücke legendärer Größen aus der Latin-, Jazz- und Swingwelt: Musiker wie John Scofield, Bob Mintzer, von dem „Blues for a Bridge“ zu hören war, Miles Davis, von dem die Band zum Beispiel „Blues In Green“ intonierte, besonders aber Stücke von Pat Metheny - mit dabei auch dessen wunderschöne Ballade „Always And Forever“. Besonders Gitarrist Frank Matthäus setzte dabei traumhaft zärtliche Akzente.

Das Quartett, bei dem auch Vibrafonspieler Richard Nagy-Mink und Organist Gerd Hemmen glänzten, spielt auf technisch sehr hohem Niveau. Das zeigte sich nicht nur bei den Soli und beim homogenen Zusammenspiel, sondern auch in ihren feinfühlig nuancierten Arrangements. Jeder Musiker lieferte prächtige Mosaiksteine fürs gemeinsame Klangbild.

Besonders das Spiel von Gerd Hemmen auf der hauseigenen, legendären Hammond-B3-Orgel, die Clubchef Markus Knierim zur Verfügung stellte, sorgte für Hörgenuss. Eine schöne Idee, diese 1956 gebaute Orgel nach der Pause mal näher vorzustellen. Orgel-Liebhaber Peter Becker, der die Orgel wartet, übernahm diese Aufgabe gern. Die gut 50 Besucher bedankten sich für den Abend mit lang anhaltendem Applaus. Zwei Zugaben folgten.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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