Große Brille, viel dahinter: Sängerin Asa überzeugt im Kulturzelt 

„Ich bin zum ersten Mal hier, deshalb verzeihe ich euch eure Fehler“: Sängerin Asa beim Auftritt in Kassel. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wir verstehen ihre Sorgen und teilen einen ganzen Haufen davon. Wer am Freitagabend im Kulturzelt war, hat den rauen, aber romantischen Retro-Soul-Motown-Sound der französisch-nigerianischen Sängerin Asa kennengelernt.

Die Musik der 28-Jährigen könnte als Soundtrack für die Generation Zukunftsangst durchgehen, für die Generation der Nachmacher und Orientierungslosen. Mit ihrem Sound lässt Asa die Gegenwart genauso alt aussehen wie die jetzt so beliebten nostalgisch verklärten Handyfotos. Mit Asa klingt ein stickiger Abend in Kassel wie eine laue Septembernacht in Detroit 1960.

Nie hatten wir so viele Jahrzehnte in petto, aus denen wir uns stilistisch bedienen konnten, und Asa bedient sich an allem, was zu ihrer heiseren und kraftvoll schönen Stimme passt: Soul, Blues, Reggae, R&B, Afro, bleibt aber dennoch im Pop angesiedelt.

Die Sängerin, die eigentlich Bukola Elemide heißt, und ihre Band geben ein energiegeladenes und dramaturgisch mitreißend aufgebautes Konzert. Obwohl den unaufgeregten und unaufdringlichen Songs im ersten Hördurchgang ein bisschen was an Esprit fehlt, gelingt es Asa, das Kulturzelt-Publikum, das zwar zahlreich gekommen ist, aber wie angewurzelt herumsteht, auf halber Strecke doch noch mitzunehmen und am Ende ganz mitzureißen.

„Ich bin anders, und deshalb bezahlt ihr mich fürs Herkommen“, wirft die Frau mit der großen Brille auf der Nase und dem noch größeren Dutt auf dem Kopf ein, und ironisch mit Augenzwinkern: „Ich bin zum ersten Mal in eurer Stadt, deshalb verzeihe ich euch eure Fehler.“

„Fire on the Mountain“ fährt in die Beine, „Preacher Man“ schmeichelt der Seele. Mal lässt sie es krachen, mal ist sie melancholisch, aber immer optimistisch. Und als charismatische Showfrau bewegt sich Asa mit einer Gewandheit über die Bühne, als sei sie schon durch sämtliche Clubs dieser Welt getingelt.

„Beautiful Imperfection“, der Name ihres Albums, ist auch Programm. Mit „Be My Man“, „Why Can’t We“ oder dem bluesigen „The Way I Feel“ stellt Asa Fragen, ohne sie zu beantworten, und alle drehen sich um eine unvollkommene Welt und ungeklärte Lebenslagen.

Von Claudia Hempel

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