Neu im Kino: George Clooney ist als Familienvater in „The Descendants“ ein Erlebnis

Große Gefühle mit Daddy

Sieht so eine glückliche Familie aus? Matt King (George Clooney) mit seiner Tochter Alexandra King (Shailene Woodley) beim Blick zurück. Foto: Twentieth Century Fox

Für die meisten Amerikaner ist Hawaii das Paradies auf Erden, aber von der Intensivstation eines Krankenhauses betrachtet ist die Insel ein trostloser Ort wie viele andere auch. Matt (George Clooney) ist hier in „The Descendants“ fast jeden Tag, seit seine Frau Elizabeth (Patricia Hastie) vor wenigen Wochen nach einem Bootsunfall im Koma liegt.

Bisher hat sich der viel beschäftigte Immobilienanwalt nur wenig um den familiären Alltag gekümmert. Jetzt ist er allein mit den beiden Töchtern, der zehnjährigen Scottie (Amara Miller) und ihrer sieben Jahre älteren Schwester Alexandra (Shailene Woodley), die vor dem Unfall mit ihrer Mutter im Streit auseinandergegangen ist.

Schon bald erfährt Matt den Grund der Auseinandersetzung: Elisabeth hatte eine Affäre und wollte sich von ihm scheiden lassen. Matt und Alex beschließen, den Liebhaber der Mutter ausfindig zu machen, und begeben sich auf eine hindernisreiche Spurensuche, bei der sie sich selbst und ihre Beziehung zueinander grundlegend neu definieren müssen.

Was sich auf dem Papier wie ein herzzerreißendes Familienmelodrama liest, wird unter der Regie von Alexander Payne zu einer intelligenten Komödie, die die Figuren mit all ihren charakterlichen Unzulänglichkeiten über das Minenfeld der Tragödie stolpern lässt. Payne, der schon in „About Schmidt“ und „Sideways“ ein sicheres Gespür für die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Emotionen entwickelt hat, bringt auch hier Trauer und Komik, Eifersucht und Lächerlichkeit, Selbstironie und große Gefühle in ein spannungsreiches Verhältnis miteinander.

Erfrischend respektlos geht Payne mit der Ikonografie seines Hauptdarstellers um. Clooney als unbeholfener Familienvater, der in schlabberigen Shirts und Shorts über die Insel hoppelt und nicht weiß, wie er mit dem Ehebetrug und dem bevorstehenden Tod seiner Frau umgehen soll - das ist schon ein Erlebnis für sich.

Aber auch der Rest des Ensembles wurde bis in die kleinste Nebenrolle hinein bestens gecastet. Shailene Woodley ist vollkommen überzeugend als „Angry Young Woman“, Nick Krause urkomisch als scheinbar unberechenbarer Freund der Tochter und Judy Greer mit nur zwei Kurzauftritten in der Rolle der betrogenen Ehefrau unvergesslich.

„The Descendants“ ist einer der Filme, die ihre Figuren nicht in enge Plotstrukturen einsperren, sondern sie in der Geschichte scheinbar frei umherschweifen lassen, um diese sanft in unerwartete Bahnen zu lenken. Und so stehen in diesem Film hochemotionale Momente neben knochentrockener Komik - und vertragen sich bestens.

Genre: Komödie/Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.