Große Gefühle:„La Bohème“ eröffnet die Kasseler Opernsaison

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Pariser Atmosphäre: Das Bühnenbild zur Puccini-Oper „La Bohème“ von Thomas Gruber zeigt im Hintergrund die alte Cinémathèque française.

Kassel. Mit großen Gefühlen beginnt am Kasseler Staatstheater am morgigen Samstag die neue Spielzeit: Giacomo Puccini selbst wollte mit seiner 1896 in Turin uraufgeführten Oper „La Bohème“ die Menschen zum Weinen bringen.

Nicht mit Sentimentalität, sondern mit Bildern aus dem wahren Leben der mittellosen Pariser Künstler, in deren Mitte dem Schriftsteller Rodolfo und der Näherin Mimì nur ein kurzes Glück beschieden ist. Sara Eterno und Johannes An verkörpern die beiden Protagonisten, die zu den berührendsten Figuren der Operngeschichte gehören. Regie führt Philipp Kochheim („Kleiner Mann, was nun?“), Dirigent ist der Erste Kapellmeister und gebürtige Venezianer Marco Comin.

In der folgenden Woche, am 15. September, präsentiert das Kasseler Schauspiel zum Saisonstart eine Uraufführung: Kathrin Rögglas Stück „Nicht hier - oder die Kunst zurückzukehren“ wird im kleinen Haus, dem Theater im Fridericianum (tif), gespielt. Die österreichische Autorin führt darin fünf Rückkehrer nach Deutschland zusammen, die in unterschiedlichen Funktionen im Ausland gelebt haben.

Dem Stück liegen zahlreiche Gespräche zu Grunde, die Röggla mit Rückkehrern geführt hat. Regisseur Leopold von Verschuer, der in Kassel bereits „Genannt Gospodin“ von Philipp Löhle inszenierte, ist seit zehn Jahren künstlerisch mit Kathrin Röggla verbunden.

Eine der berühmtesten Komödien mit stark satirischen Zügen, Georg Büchners „Leonce und Lena“ (geschrieben 1836, uraufgeführt 1895) eröffnet im Kasseler Schauspielhaus die Saison. Regie führt Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann. Die unerträgliche Leichtigkeit der Existenz des Kleinstaat-Prinzen Leonce und der Prinzessin Lena wird grundiert durch das Elend der gewöhnlichen Kleinstaaten-Bevölkerung.

Dass das Musical genauso gut im Schauspiel beheimatet sein kann wie im Musiktheater, will das Staatstheater mit der dritten Schauspielpremiere am 24. September im Schauspielhaus beweisen. Oberspielleiter Patrick Schlösser inszeniert das Musical „Cabaret“ von John Kander und Fred Ebb, das durch die Verfilmung mit Liza Minnelli weltberühmt wurde. Agnes Mann und Dieter Bach verkörpern das Liebespaar Sally Bowles und Cliff Bradshaw, Sebastian Klein ist der Conférencier.

Als Wiederaufnahme kommt am 17. September außerdem im Opernhaus die Buffo-Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti ins Programm. Dirigent ist wieder Marco Comin, die Rolle der taffen Norina übernimmt erstmals die neue Staatstheater-Sopranistin LinLin Fan.

Von Werner Fritsch

Göttinger Junge Theater zeigt "Gegen die Wand"

Istanbul sieht auf dem Plakat des Jungen Theaters Göttingen aus wie eine Fieberkurve. Das passt zur Stimmung der energiegeladenen Eröffnungspremiere: Das Theater am Wochenmarktplatz zeigt ab Donnerstag, 15. September, „Gegen die Wand“. „Wir erzählen den Film von Fatih Akin nicht einfach nach“, verspricht Pressesprecher Udo Eidinger. Die Bühnenfassung der Geschichte um das deutsch-türkische Paar Sibel und Cahit, die aus Kalkül heiraten und sich dann ineinander verlieben, soll für sich stehen. Sibel will aus der engen türkischen Familie ausbrechen und sucht sich ausgerechnet einen Mann, der in einer Identitätskrise steckt. Wie frei kann man sein? Wie groß die Sehnsucht nach Freiheit? Intendant Andreas Döring inszeniert. Am 17. September folgt „Fremdes Haus“, Dea Lohers Flüchtlingsdrama vor dem Hintergrund des Balkankriegs. „Kohlhaas, ein Rebell“ nach Heinrich von Kleist beschäftigt sich ein Wochenende später mit der Frage, wann man sich von Gesetzen losagen darf. (fra)

Deutsches Theater führt "West Side Story" auf

Eine lebendige Utopie will das Deutsche Theater in Göttingen zum Spielzeitstart präsentieren: Junge Menschen verschiedener Herkunft und Kultur arbeiten, leben und feiern gemeinsam. Dieses Projekt wird derzeit verwirklicht in der Probenarbeit für das berühmte Leonard-Bernstein-Musical „West Side Story“ mit dem am 24. September die Spielzeit des Traditionshauses eröffnen wird. Anhand der Liebesgeschichte von Tony und Maria wird dann zu erleben sein, wie Profi-Schauspieler und -Musiker mit Göttinger Jugendlichen aus der HipHop- und Streetdance-Szene auf der Bühne stehen. Intendant Mark Zurmühle inszeniert und will mit der Ensemble-Arbeit und der Musical-Story der verfeindeten Gruppen Jets und Sharks zeigen, wie kulturelle Vielfalt gelebt werden kann. Am 1. Oktober folgt „Kopenhagen“ von Michael Fayn, eine fiktive Diskussion zwischen den Physikern Heisenberg und Bohr um Verantwortung. Damit eröffnet das Haus seinen Wissenschaftsschwerpunkt der Saison. (fra)

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