Große Opern-Herausforderung: Michael Schulz inszeniert „Die Frau ohne Schatten“

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Selbst für große Opernhäuser eine Herausforderung: Massenszene aus „Die Frau ohne Schatten“. Fotos: Klinger/nh

Kassel. „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal zählt nicht nur zu den schwierigsten, sondern auch zu den sperrigsten Werken der Operngeschichte. Sie ist Märchen, moralisches Lehrstück, psychologisches Drama und Gesellschaftsbild in einem.

Für Michael Schulz (48), den Generalintendanten des Musiktheaters im Revier, Gelsenkirchen, der die Ausnahme-Oper in Kassel inszeniert, handelt es sich zuallererst um ein Emanzipationsdrama: „Wir verfolgen eine Figur, die Kaiserin, halb Mensch, halb Geisterwesen, die durch einen Akt der Selbstüberwindung erkennt, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.“ Auch bei den übrigen Hauptfiguren, dem Färber Barak, seiner Frau, der Färberin, und der Amme sieht Schulz spannende Entwicklungen – von Strauss auf fantastische und oftmals überwältigende Weise musikalisch in Szene gesetzt.

Dabei muss es heute durchaus befremden, dass in der Oper die Annahme der Mutterschaft durch die Frau, ihre Hingabe an den Mann und – in einem übergeordneten Sinn – die menschliche Fortpflanzung als Ideal und Lösung aller Konflikte vorgestellt werden. Für Schulz ergibt sich daraus die Notwendigkeit, das Stück im historischen Kontext seiner Entstehung zu betrachten. „Wir sehen die Oper als Zeitstück des beginnenden 20. Jahrhunderts im Zeichen der Urkatastrophe, die der Erste Weltkrieg für Europa bedeutete.“

Die historische Verortung des Stücks werde sich auch im Bühnenbild und in den Kostümen spiegeln, sagt Schulz, der in Kassel zuletzt Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ inszenierte. Allerdings mit all den Freiheiten, die ein Märchenstoff bietet.

Historisch hätten das Frauenbild und das Gesellschaftsideal, das in der Oper aufscheint, nicht nur nicht funktioniert. Mehr noch: Sie hätten sich wenige Jahre später schrecklich missbrauchen lassen, sagt Schulz. Doch lasse sich die Oper in ihrer Vieldeutigkeit keineswegs auf ihr Gesellschaftsbild reduzieren.

Ähnlich wie Wagners „Ring“ oder Mozarts „Zauberflöte“ sei dieses Stück „niemals zu Ende zu erzählen“, es offenbare in seinen großartigen Figuren, etwa der schillernden mephistophelischen Amme, immer neue Aspekte. Ständig habe er bei der Arbeit an der „Frau ohne Schatten“ diese Faszination gespürt, sagt Schulz: „So ein Gefühl: Wow, was ich hier entdecke, damit habe ich vorher nie gerechnet.“ Ähnlich faszinierende Entdeckungen wünscht der Regisseur auch dem Kasseler Publikum mit dieser Oper.

Premiere: Samstag, 18 Uhr, Opernhaus. Karten: Tel. 0561 / 1094-222. Sieben weitere Vorstellungen, die nächsten am 31. Mai und 8. Juni.

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