Große Schwermut: Die Tindersticks im Kulturzelt

Eine Stimme zum Entspannen: Tindersticks-Sänger Stuart A. Staples. Foto: Fischer

Kassel. „Die endlich mal live erleben“, hörte man einen Besucher Freitag vor dem Kulturzelt schwärmen. „Live – Musik und Künstler, das ganze Paket.“ Viele der 350 Besucher, die gekommen waren, um die britische Band Tindersticks zu erleben, kamen aus diesem Grund.

Wurde die Erwartungshaltung eingelöst? Was die Musik betrifft: Ja. Aber das Live-Erlebnis? Das ganze Paket? Nein. Nichts gegen die Musik der Briten, die nach gefeierten Alben auf 20 Jahre Bühnenleben schauen und nun in die Konzerthallen zurückgekehrt sind.

Aber nicht ein persönliches Wort, nicht eine Ansage. Nichts, aber auch gar nichts, was den Fans das Gefühl vermittelt hätte, dass die Band sie überhaupt wahrnimmt. Introvertiert bis zum Versinken. Ob’s an der Schwere der Musik liegt?

Es ist eine sehr spezielle Musik. Melancholisch, verträumt, psychedelisch. Ein Gleitflug durch einen Kosmos voller Gefühle. Bisweilen wunderschön, doch Abwechslung zählt in diesem Kosmos nicht zu den strahlendsten Sternen. Einige Stücke erinnern an die Dire Straits, andere an die Doors. Alle anderen haben die gleichbleibende schwermütige Atmosphäre, die auf Dauer auch ein wenig müde machen kann.

Alle Stücke sind homogen orchestriert. Gute Musiker, alle dem Gesamtergebnis untergeordnet, gebremste Individualität. Gitarre (Neil Fraser), Bass (Dan MacKonna), Keyboard und Klavier (David Boulter) oder Schlagzeug (Earl Harvin) – ein atmosphärischer Klangstrom.

Im Fokus steht Sänger und Gitarrist Stuart A. Staples. Seine Art zu singen, den Ton aus dem Zwerchfell gepresst, in Hall getaucht und wie von einem Echo begleitet, erinnert etwas an die frühen Bee Gees. Nur ein, zwei Etagen tiefer und samtiger. Eine Stimme, bei der man die Augen schließt und entspannt. Doch Stück für Stück die gleiche Ausstrahlung – Geschmackssache.

Den meisten gefiel es trotzdem. Und obwohl Livekonzerte in der Regel doch etwas anders gestrickt sind – viel Applaus und drei Zugaben gab es.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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