Die brillante Singer-Songwriterin Melanie Dekker im Schlachthof

Große Strahlkraft

Beeindruckte als Sängerin und als Gitarristin: Melanie Dekker beim Auftritt im Schlachthof. Foto: Fischer

Kassel. Es gibt drei Varian-ten, wie man als Musiker die Songs der eigenen CDs auf seiner Tour präsentieren kann: Man spielt sie exakt so wie auf dem Tonträger, man pumpt die Instrumentierung und die Arrangements kräftig auf, oder aber man reduziert alles auf das Wesentliche.

Bei dem Konzert der kanadischen Sängerin und Gitarristin Melanie Dekker im gut besuchten Kulturzentrum Schlachthof konnte man ihr zu der Wahl der letztgenannten Variante als Tourkonzept für 2011 nur gratulieren. Denn was sie im Studio zusätzlich mit Keyboards, Schlagzeug und Streichern eingespielt hatte, klingt ein wenig nach uncharismatischem Flowerpop von der Stange.

Doch live bewies sie mit dem Gitarristen Stefan Rapp und dem Bassisten Martin Rose, dass ihre Songs nicht unter Schokostreusel, Zuckerguss und Marzipanherzen begraben werden müssen, um Wirkung zu erzeugen.

In der Trio-Besetzung überdeckt dabei niemand ihr fein nuanciertes Timbre, eingeparkt zwischen rauer Wirklichkeit und erotischer Weiblichkeit. Da bekommt ihr rhythmisch brillantes Gitarrenspiel die berechtigte Beachtung, die wenigen solistischen Einwürfe ihrer Mitmusiker stürmischen Applaus und der dreistimmige Gesang von den anwesenden Vocal-Background-Gourmets einen gedachten Michelin-Stern.

Und es wird deutlich, dass Melanie Dekker in mehreren Teichen ihre Angel ausgeworfen hat. Mit „My Soul back“ ist sie nah dran an gutem Dancepop und „Hippie“ hat was von der Leichtfüßigkeit einer Colbie Caillat.

Wenn auch nicht alles gleichermaßen zündet, was da angesteckt wird, bleibt als Gesamteindruck das Bild einer Künstlerin, die kräftig an die Pforte der Popularität klopft - und das aufgrund ihrer prägnanten Stimme auch mit viel Selbstbewusstsein weiterhin tun sollte. Denn kleine Songs mit großer Abstrahlung sind das täglich Brot, mit der die weltweite Radiogemeinde gefüttert werden möchte. Viel Applaus.

Von Andreas Köthe

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