Das große Wir-Gefühl: Kapelle Petra im Schlachthof Kassel

Diese vier sind die Kapelle Petra: (von links) Rainer „Der tägliche Siepe“ Siepmann, „die Bühnenskulptur Gazelle“, Guido „Opa“ Scholz und Markus „Ficken“ Schmidt. Foto: Schachtschneider

Kassel. Schon die Künstlernamen, „Opa“ für Gitarrist und Sänger Guido Scholz, „Ficken Schmidt“ für Schlagzeuger Markus Schmidt und „Der tägliche Siepe“ für Bassist Rainer Siepmann lassen ahnen, wie irrwitzig und schräg die Bühnenperformance, Musik und Texte von der aus Hamm stammenden Kapelle Petra sind.

Fehlt noch – quasi als Sahnehäubchen des gepflegten Blödsinns – „Gazelle“. Der spielt zwar kein Instrument und singt auch nicht in ein Mikrofon, sitzt aber durchweg als lebende Skulptur auf der Bühne und starrt ins Publikum, als säße er Zuhause vor der Glotze. Die 1996 gegründete Band genießt Kultstatus, und auch der Schlachthof war am Donnerstag ausverkauft.

Bevor die liebenswert verrückten Musiker loslegten, heizte die Formation Elfmorgen mit kraftvollen Sound und sozialkritischen Texten ein. Im Mittelpunkt: der Gitarrist und Sänger Andy Schmauss, der später auch bei Kapelle Petra mitmischte - „als Bewährungshelfer, weil wir eine Rechnung nicht bezahlt haben“, wie Guido Scholz ihn vorstellte.

Stücke von der aktuellen CD „The Unforgotten Table“, aber auch viele ältere Nummern sorgten im Publikum für Mitsingstimmung. So „Über Fußball reden“, „Überall diese erfolgreichen Familienväter“, „Ficken“ Schmidt, bei dem die Band ihren Schlagzeuger hochleben ließ und ganz besonders der Ohrwurm „Aber ’ne Wurst“, dessen Refrain vom Publikum so lautstark mitgegrölt wurde, als sei es eine Hymne.

Genau genommen ist der Indie-Rock-Pop von Kapelle Petra nicht annähernd so stürmisch und wild, wie das Publikum ihn feierte. Viele gemäßigte, ja sanfte, fast melancholische Passagen formen die Musik der Band, zudem hat Sänger Scholz eher eine sensible Liedermacherstimme, denn die eines Einpeitschers.

Es sind die frechen, spöttischen Texte die punkten, die charmant verrückte Bühnenpräsenz und besonders Scholz‘ Gabe, für ein großes Wir-Gefühl zu sorgen. Band und Publikum gehören bei Petra-Konzerten zusammen, wie ein guter Witz und seine Pointe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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