Großer Musikvermittler: Der Dirigent Gerd Albrecht starb 78-jährig

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Das Foto zeigt Gerd Albrecht ihn im Jahr 2000.

Prag/Kassel. Als Gerd Albrecht zusammen mit dem Intendanten Ulrich Brecht 1966 ans Kasseler Staatstheater kam, eilte ihm ein Ruf als Neuerer voraus. Als jüngster Generalmusikdirektor war er drei Jahre zuvor in Lübeck angetreten, die Klassikszene zu modernisieren.

Sechs Jahre später, als Albrecht 1972 Kassel in Richtung Deutsche Oper Berlin verließ, hatte er das Fundament für eine internationale Karriere gelegt. Gestern starb der bedeutende Dirigent im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin.

Der 1935 in Essen geborene Albrecht machte in Hamburg seine Dirigentenausbildung - der Stadt, die später zu einer seiner wichtigsten Wirkungsstätten werden sollte. Von 1988 bis 1997 leitete er die Hamburger Staatsoper zusammen mit dem Intendanten Peter Ruzicka und sorgte mit zahlreichen Uraufführungen für Aufsehen.

Als erster Ausländer war Albrecht von 1993 bis 1996 Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie in Prag - ein Engagement, das allerdings im Zerwürfnis endete. 1998 übernahm er die Leitung des dänischen Rundfunksinfonieorchesters.

In Albrechts Kasseler Zeit fielen einige wegweisende Inszenierungen, die dem Staatstheater bundesweit Anerkennung einbrachten. So brachte Albrecht zwischen 1970 und 1972 mit dem „Rheingold“ und der „Walküre“ die beiden ersten Teile jener „Ring“-Inszenierung heraus, die nach dem Namen des Regisseurs Ulrich Melchinger als Melchinger-Ring bekannt wurde und eine neue Wagner-Sicht etablierte.

In der Spielzeit 1968/69 brachte er die zweite Aufführung von Bernd Alois Zimmermanns epochemachendem Musiktheaterwerk „Die Soldaten“ nach der Kölner Uraufführung heraus - und hob das Werk mit auf die Erfolgsspur.

Kassels früherer Konzertmeister Otfrid Nies erinnert sich an Albrecht als einen brillanten Kopf, genialen Organisator, aber in seiner Frühzeit nicht sehr emotional agierenden Dirigenten. Doch das änderte sich später, als Albrecht, der Kassel stets freundschaftlich verbunden blieb, als Gastdirigent zurückkehrte - und etwa 1996 ein aufwühlendes Konzert mit Beethovens 7. Sinfonie und dem Schumann-Klavierkonzert mit dem Solisten Homero Francesch dirigierte.

Eines der großen Anliegen des Vaters einer Tochter war die Musikvermittlung. In Kassel führte Albrecht Kinderkonzerte ein, die vom ZDF übertragen wurden und bundesweit Beachtung fanden. Dabei erwies er sich auch als anregender und humorvoller Moderator.

Von Werner Fritsch

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