Großer Wortwitz: Kabarettist Alfred Mittermeier im Piazza Vellmar

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Zieht nicht nur Politiker durch den Kakao: Der bayerische Kabarettist Alfred Mittermeier war zu Gast in Vellmar.

Vellmar. Kabarettist Alfred Mittermeier präsentierte am Donnerstag sein aktuelles Programm. Was im ersten Moment nach billiger Inszenierung aussieht, hat seinen festen Platz im Programm des Komikers, ist Auflockerung und Themeneinstieg zugleich.

Es ist dunkel auf der Piazza-Bühne in Vellmar, nur eine Silhouette ist erkennbar. „Es werde Licht“, sagt die Silhouette, und im Scheinwerfer wird im grau karierten Anzug Kabarettist Alfred Mittermeier sichtbar.

„Es werde Licht“, sei ein Zitat und wenn der Einstieg misslinge, sei er nicht schuld, denn es stamme ja nicht von ihm. Der Einstieg misslang aber nicht, genauso wenig wie die folgenden zwei Stunden, in denen eine Pointe die nächste jagte.

Einen Sündenbock hat jeder. Alles begann mit Adams Eva, die vom Apfel aß, aber nicht schuld war. Heute sind das Wetter, der Staat oder die Banken schuld, aber niemals man selbst: So ist Alfred Mittermeier nicht verantwortlich, wenn er zu spät zum Auftritt kommt, sondern grundsätzlich die Bahn. Auch dann, wenn er nicht rechtzeitig am Gleis auftaucht – wie solle er damit rechnen, dass sein Zug pünktlich kommt? Genauso wenig ist er schuld, dass nur 40 Zuschauer ins Piazza gekommen sind. Wohl aber daran, dass die Stimmung trotzdem prächtig war. Der ältere Bruder von Michael Mittermeier versteht es, mit bayerischem Akzent, reichhaltiger Gestik und Mimik gute Laune zu verbreiten.

Er bedient sich Themen, die jeden angehen, etwa Beziehungskisten, und hat auch noch praktische Tipps parat. Wenn der Sex wegen Migräne mal wieder ausfällt, könnten frustrierte Ehemänner künftig so agieren: Die Frau nachts wecken mit den Worten „Schatz, hier ist eine Migräne-Tablette“. Sie wird antworten: „Ich habe keine Migräne.“ Jetzt stehe nichts mehr im Weg.

Mittermeier geht meist schonungslos vor, zieht Politiker durch den Kakao, spricht vom lieben Gott, der sich verschöpft hat, spielt mit dem Begriff „Heiliges Kanonenrohr“ auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche an, nennt Geisterfahrer entgegenkommend. Wem dieses Programm voll von Wortwitz, zynischer Gesellschaftskritik und schwarzem Humor nicht gefällt, ist selbst schuld.

Von Julia Hohagen

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