In John Grishams Roman „Das Komplott“ beginnt ein Anwalt ein neues Leben

Ein großes Abenteuer

Malcolm Bannister, Hauptfigur und Erzähler des Romans „Das Komplott“, unterscheidet sich erheblich von seinen Vorgängern, den Anwälten in früheren John-Grisham-Büchern. Nicht nur, dass er Afroamerikaner ist, er sitzt auch im Gefängnis.

Der Kleinstadtanwalt hatte sich aus Naivität auf ein windiges Immobiliengeschäft eingelassen und muss wegen Geldwäsche zehn Jahre absitzen. Um die zweite Hälfte dieser Strafe erlassen zu bekommen, nutzt er ein obskures Gesetz und bietet als Gegenleistung für eine Freilassung Informationen über die Ermordung eines Bundesrichters ein.

Grisham beschreibt sehr spannend, wie der Deal zustande kommt, Bannister eine neue Identität bekommt und sich die Ermittler mit fragwürdigen Mitteln daran machen, den von ihm genannten Mann dazu zu bringen, den Richtermord zu gestehen. Es bleibt fraglich, ob Gerechtigkeit geschehen ist. Aber Bannisters Komplott hat ihm die Freiheit gebracht.

Grisham wäre nicht Grisham, ließe er die Geschichte um Bannisters damit auf sich beruhen. In der zweiten Hälfte des Romans zeigt er, dass er sich ein Komplott ausdenken konnte, das weit komplizierter und spannender ist als der juristische Kampf um die Freilassung.

Kaum in Freiheit, mit anderer Identität ausgestattet, unternimmt Bannister eine ganze Reihe unerklärlicher und auch nicht erläuterter Aktivitäten. Er reist in die Karibik, gründet eine Filmfirma und macht sich daran, einen Dokumentarfilm über Polizeigewalt zu drehen. Je weiter der Roman voranschreitet, umso mehr verändert er seinen Charakter. Bannister wird immer mehr zum Helden eines Abenteuerromans, in dem die Leser rätseln, wie der nächste Schritt aussehen wird und sich fragen, wo die Handlung überhaupt hinführen soll. Die Geschichte wird so abenteuerlich und unübersichtlich, dass selbst der große Strippenzieher Bannister nicht mehr mitkommt.

Natürlich löst Grisham am Ende alle Rätsel auf. Aber es bleibt eine Reihe von Fragen offen. Sind Recht und Unrecht in dieser Form gegeneinander austauschbar? Gibt es überhaupt so etwas wie Gerechtigkeit? Diese Fragen machen „Das Komplott“ weitaus tiefgründiger, als es die spannende Handlung auf den ersten Blick nahelegt. (dpa)

John Grisham: Das Komplott. Heyne, 445 Seiten, 22,99 Euro, Wertung: !!!!:

Von Axel Knönagel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.