Großes Gefühlskino: Steven Spielbergs „Gefährten“

Innige Freundschaft: Albert (Jeremy Irvine) möchte sich nicht von Joey trennen. Foto: Dreamworks

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als der Junge das Fohlen zum ersten Mal sieht. Immer wieder zieht es ihn auf die Weide des Nachbarn zu dem heranwachsenden Tier.

Später kann der 15-jährige Albert (Jeremy Irvine) sein Glück kaum fassen, als der Vater (Peter Mullan) im Suff auf der Auktion sein Lieblingspferd erstanden hat, von dem alle sagen, dass es für die Landwirtschaft nichts taugt.

Dem Jungen gelingt es, den eigensinnigen Joey zuzureiten, aber um die väterliche Farm steht es schlecht. Wenn das Pferd den steinigen Boden nicht pflügen kann, sind seine Tage gezählt.

Schließlich kommt der Erste Weltkrieg in das abgelegene englische Dorf, und nicht nur die jungen Männer werden für den Dienst am Vaterland rekrutiert, sondern auch die Pferde. Joey zieht als Ross eines Kavallerieoffiziers in den Krieg, während Albert als junger Soldat in den Schützengräben kämpfen muss und lange vergeblich nach seinem Pferd sucht.

Mit „Gefährten“ bringt Steven Spielberg zwei Linien in seinem umfangreichen Filmschaffen zusammen. Der Film nach dem Jugendroman „Schicksalsgefährten“ von Michael Morpurgo erzählt zum einen eine typische Spielberg-Geschichte von den tiefen Freundschaftsgefühlen eines jugendlichen Helden und folgt zum anderen der Obsession, die den großen amerikanischen Filmemacher seit „Der Soldat James Ryan“ mit dem Thema Krieg verbindet.

Hier begegnen sich die Erzähltraditionen von Tierfreundschaftsfilmen wie „Lassie“ und „Black Beauty“ und die Bilder des klassischen Antikriegsfilms wie „Im Westen nichts Neues“. Dabei wird das Pferd, das zwischen die Fronten des Krieges gerät, die Seiten immer wieder wechselt und sich im Stacheldraht des Niemandslandes verfängt, zum erzählerischen Leitfaden.

Angriff der Kavallerie

Äußerst plastisch stellt „Gefährten“ in der innigen Beziehung zwischen Albert und seinem Pferd dem Liebesvermögen des Menschen im Kriegsgeschehen dessen barbarische Fähigkeiten gegenüber. Eine der eindringlichsten Szenen ist der Angriff der britischen Kavallerie, die aus dem Wald heraus von deutschen Maschinengewehren niedergemäht wird. Solchen effizient inszenierten Gewaltsequenzen werden hochemotionale Momente von Abschied, Wiederbegegnung und Heimkehr entgegengesetzt.

Spielberg beweist einmal mehr, dass er keine Angst vor großem Gefühlskino hat - und überschreitet hemmungslos die Grenze zum Kitsch, wenn er Pferd und Reiter in einem Sonnenuntergangslicht nach Hause schickt, das seit „Vom Winde verweht“ nicht mehr so rot auf der Leinwand glühte. Der Film ist ab zwölf Jahren freigegeben - eine Empfehlung, an die man sich angesichts der eindringlichen Kriegsszenen halten sollte.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Martin Schwickert

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