Warum die MHK die große Jacob-Jordaens-Ausstellung 2013 im Fridericianum präsentieren will

„Großes und großartiges Projekt“

Bernd Küster

Kassel. Das Fridericianum biete ideale Räume für Großformate wie die Gemälde des Barockmalers Jacob Jordaens. „Für eine solch raumgreifende Ausstellung gibt es gar keine Alternative.“ So begründet Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), warum die Schau „Jacob Jordaens und die Antike“ vom 1. März bis 16. Juni 2013 im Fridericianum - einer Liegenschaft des Landes - gezeigt werden soll.

Die Kunsthalle, die zum Jahresbeginn zugunsten der documenta 13 ausziehen musste, kann deshalb über eineinhalb Jahre kein Programm machen. Es sei schwierig, findet deren Leiter Rein Wolfs, nach solch langer Pause wieder auf sich aufmerksam zu machen, Kontinuität zu erzeugen. Wolfs hat die Jordaens-Schau auch als „architektonischen Kraftakt“ bezeichnet. Sie brauche eine „Riesenstruktur an Raumdesign, Wänden, Licht“. Die fast industriell geprägten Innenräume eigneten sich am besten für die Kunst der Gegenwart.

MHK-Direktor Küster widerspricht. Erforderlich seien nur Einbauten, die die gewaltigen Räume strukturierten. „Die Kosten tragen wir.“ Bei der König-Lustik-Landesausstellung 2008 zu Jerôme Bonaparte, nach der documenta 12, sei auch alles gut gegangen. Inszeniert werden müsse eine solche Schau auch woanders. Unabdingbar sei die Klimatisierung - im Fridericianum habe das Land als Eigentümer dafür die Finanzierung übernommen.

Die Verankerung des Hauses in der zeitgenössischen Kunst sei „völlig in Ordnung“, es habe aber als erstes Museumsgebäude auf dem europäischen Festland einen noch viel höheren Stellenwert. Auch die Jordaens-Gemälde hätten dort schon gehangen. Die Kasseler Sammlungsgeschichte reiche überdies noch viel weiter zurück als der Bau des Fridericianums. Deshalb sei dort 2013 genau der richtige Ort und Zeitpunkt, um mit Alten Meistern aufzuwarten. Zumal es nach der documenta vermutlich eine gewisse „Sättigung“ an Gegenwartskunst gebe.

Die Neue Galerie, die Wolfs ins Spiel gebracht hatte, eigne sich für die 100 bis zu zwölf Quadratmeter großen Jordaens-Bilder räumlich so wenig wie das Schloss. Küster zeigt sich über Wolfs’ Kritik verwundert: „Es ist alles längst in trockenen Tüchern, und er war mit allem einverstanden.“

Grundsätzlich, sagt Küster, könne die MHK ihren musealen Auftrag - gemessen an ihren Möglichkeiten - aus Platzgründen nicht so umsetzen, wie sie das gern tun würde. Dazu biete die allererste Jordaens-Einzelausstellung überhaupt eine Chance: „Da haben wir alle Trümpfe in der Hand.“

Die Schau, die die MHK gemeinsam mit dem Königlichen Kunstmuseum Belgiens in Brüssel plant, soll überregionale Ausstrahlung haben. Ziel sei, Jordaens (dem in Kassel als einzigem Museum außerhalb Belgiens und Hollands ein ganzer Saal gewidmet sei) aus dem Schatten seines Zeitgenossen Rubens herauszulösen. „Das ist ein großes und ein großartiges Projekt, das der Sammlungsgeschichte und der Stadt guttut.“

Von Mark-Christian von Busse

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