Großes Kino für die Ohren: das Szymanowski Quartet in Kassel

Das Szymanowski Quartet: (von links) Andrej Bielow, Grzegorz Kotów, Vladimir Mykytka und Marcin Sieniawski. Foto: Fischer

Kassel. Diese Streicherklänge waren der pure Luxus. Die Mittelstimmen zitterten sanft in einer schillernden Klangfläche, darüber schwebte eine sehnsüchtige Melodie der ersten Geige und des Cellos. Für 150 Gäste begann so am Dienstag ein wunderbares Konzert der Kasseler Musiktage.

Das Szymanowski Quartet spielte im Ständesaal das zweite Streichquartett seines Namenspatrons Karol Szymanowski (1882-1937), der zu den faszinierendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt: ein feingeistiger polnischer Aristokrat, der Mittelmeer-Kultur und der Homoerotik zugetan. Vom glitzernden Impressionismus bis zum zupackenden Folklore-Anklang reicht die Spannweite seiner Musik.

Andrej Bielow und Grzegorz Kotów (Violinen), Vladimir Mykytka (Viola) und Marcin Sieniawski (Violoncello) machten in ihrer intensiven musikalischen Kommunikation jedes Detail der kostbaren Partitur hörbar. Besonders eindrucksvoll war jedoch, dass sich diese Klarheit nicht in analytischer Kühle erschöpfte. Denn hinzu kam eine klangliche Sinnlichkeit von betörender Delikatesse.

An den gewichtigen Beitrag Polens zur Neuen Musik erinnerte das Ensemble auch mit dem Streichquartett (1964) von Witold Lutoslawski. Es wurde zum Avantgarde-Erlebnis, das den Hörern vielfältige Assoziationen eröffnete – ganz großes Kino für die Ohren, auch wenn es kein einfacher Film war.

Ein romantisches Spitzenwerk von strömender Ausdrucksfülle machte den Abend komplett, und zwar Franz Schuberts Streichquintett aus dem Todesjahr 1828. Das Szymanowski Quartet bot mit der norwegischen Cellistin Bjørg Lewis eine quicklebendige, duftige, kulinarische Wiedergabe, die in manchen Details ein neues Licht auf das bekannte Werk warf. Das Publikum dankte begeistert.

Von Georg Pepl

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