Der Gymnasiallehrer Konrad Duden widmete sein Lebenswerk der deutschen Rechtschreibung

„Großschreiben macht dumm“

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Er verfasste das erste Rechtschreiblexikon: Schuldirektor Konrad Duden.

Er ist einer der meistgelesenen deutschen Autoren: Der Gymnasiallehrer Konrad Duden verfasste das nach ihm benannte Lexikon der Rechtschreibung. Heute vor 100 Jahren ist er gestorben. Wer war er und wie kam er dazu, „den Duden“ zu erfinden?

Der 1829 im westfälischen Lackhausen geborene Konrad Duden stammt aus einer verarmten Unternehmerfamilie: Sein Vater hatte sich als Schnapsfabrikant verschuldet. Als Duden ein Junge war, musste die Familie ihr Gut aufgeben. Abitur konnte Duden nur mithilfe eines Stipendiums machen, auch lebte er unter der Woche im Waisenhaus in Wesel, um dort das Lyzeum besuchen zu können.

Duden studierte Geschichte und Germanistik in Bonn, musste aber abbrechen, um Geld zu verdienen. Erst später holte er den Abschluss nach und promovierte. Fünf Jahre lebte er als Hauslehrer in Italien und traf dort seine spätere Frau: Adeline Sophia Jakob war die Tochter eines deutschen Konsuls in Messina. Als Ehepaar kehrten beide nach Deutschland zurück. 1869 zog die Familie mit drei Kindern nach Schleiz in Thüringen, vier weitere Kinder wurden dort geboren. Duden wurde Direktor am Gymnasium. Und er begann, die Rechtschreibung zu seinem Steckenpferd zu machen.

Ein Pedant scheint er nicht gewesen zu sein, so schaffte Duden das Fach Schönschreiben ab und führte stattdessen Turnen ein. Doch er stellte fest, dass jeder Lehrer eigene Maßstäbe anlegte, wenn es um die Schreibweise ging. Um dem täglichen Ärgernis Herr zu werden, verfasste der Direktor den Leitfaden „Zur deutschen Rechtschreibung“, an den sich Lehrer und Schüler zu halten hatten.

Von Schleiz wechselte Duden 1876 als Direktor ans königliche Gymnasium in Bad Hersfeld. Dort verfasste er ein Wörterbuch, in dem er die korrekte Schreibweise von 27 000 Wörtern festlegte: Entstanden war der erste Duden.

Es haben sich übrigens nicht alle Vorschläge Dudens durchgesetzt: So war der Lehrer ein erklärter Feind der Großschreibung: „Die Substantiv-Großschreibung schädigt durch nutzlose Gedächtnisbelastung die geistige und leibliche Gesundheit unserer Jugend, sie wirkt verdummend“, lautet ein von ihm überliefertes Zitat. Duden starb am 1. August 1911 mit 82 Jahren in seinem Altersruhesitz Wiesbaden-Sonneberg.

Von Irene Habich

Der Duden: Sprache wird Gesetz

Die eine Rechtschreibung für alle: Damit es das geben konnte, mussten erst politische Ereignisse den Weg bereiten. Das geschah 1871: Kaiser Wilhelm I. rief das Deutsche Kaiserreich aus. Jetzt, da es den Einheitsstaat gab, sollte auch die Sprache vereinheitlicht werden. So lud 1876 der preußische Kultusminister zur „1. Orthografischen Konferenz“ nach Berlin ein.

Politiker und Sprachwissenschaftler einigten sich auf Regeln, nach denen im Reich geschrieben werden sollte. Doch Otto von Bismarck weigerte sich als Ministerpräsident von Preußen, die Regeln dort einzuführen. Weitere deutsche Staaten sprangen ab, die Reform scheiterte. Konrad Duden hatte selbst an der Konferenz teilgenommen und wollte sich mit diesem Scheitern nicht abfinden: Vier Jahre später verfasste er den Dudenvorläufer, das 187 Seiten dicke „Vollständige Orthografische Wörterbuch der deutschen Sprache“.

Als 1901 die „2. Orthografische Tagung“ einberufen wurde, war das Werk bereits in sechster Auflage erschienen: Duden hatte die Bücher jedes Mal selbst neu überarbeitet. Auf der Konferenz wurde diesmal endgültig beschlossen, eine einheitliche deutsche Rechtschreibung einzuführen: Grundlage sollte Dudens Wörterbuch sein. Ämter und Schulen wurden ab 1903 verpflichtet, sich verbindlich an die Schreibweise zu halten, die die siebte Auflage empfahl.

In den 50er-Jahren erschienen neue Wörterbücher – ihre Empfehlung, Wörter zu schreiben, unterschied sich teilweise von der des Dudens. Die Kultusminister entschieden daraufhin noch einmal: Im Zweifelsfall richtig ist das, was der Duden sagt. Auf den Kopf gestellt wurde das Prinzip mit der Rechtschreibreform. Diesmal war es nicht der Duden, der die Neuerungen vorgab: Die Kultusminister hatten beschlossen, dass ab 1998 jeder nach neuen Regeln schreiben musste, Schüler bereits ab 1996.

Der Duden reagierte mit einer Neuausgabe. Wurde die Dudenredaktion gefragt, als es der alten Rechtschreibung an den Kragen ging? „Wir waren in der beratenden Wissenschaftskommission durch unseren damaligen Leiter vertreten“, sagt der heutige Leiter, Dr. Werner Scholze-Stubenrecht. „Aber er war nur als eine von fünfzehn Personen beteiligt.“ Von der neuen Rechtschreibung ist Scholze-Stubenrecht nicht begeistert. Ihm missfallen die Wahlmöglichkeiten. Es verwirre die Leute, wenn sie nicht wüssten, „ob sie Delfin schreiben sollen oder Delphin“. Daher gibt der Duden stets eine Empfehlung. In diesem Fall ist das „Delfin“.

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