Großstadtgeflüster: Aus der "Fickt-Euch-Allee" nach Homberg

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So sieht es aus, wenn Großstadtgeflüster in der „Fickt-Euch-Allee die Eier schaukeln“, wie es in ihrem Hit heißt: Keyboarder Raphael Schalz (von links), Sängerin Jen Bender und Schlagzeuger Chriz Falk.

Jahrelang waren Großstadtgeflüster nur ein Geheimtipp. Dann wurde ihr Song "Fickt-Euch-Allee" zur Berlin-Hymne. Nun kommt das Electropunk-Trio zum Homberger Burgbergfestival.

Ein dreieinhalbminütiges Video hat das Leben der Berliner Band Großstadtgeflüster komplett verändert. Im Oktober lud das Electropunk-Trio den Clip zur Single „Fickt-Euch-Allee“ ins Netz, die seitdem als Hauptstadthymne gilt. Bis dahin, sagt Sängerin Jen Bender, „waren wir eine Abendkassenband, jetzt aber sind Konzerte unserer Club-Tour im Voraus ausverkauft“.

Dank der „Fickt-Euch-Allee“ sind Großstadtgeflüster an diesem Samstag auch die Hauptattraktion des Homberger Burgbergfestivals. Die Veranstalter haben einen ähnlichen Glücksgriff gemacht wie vor 13 Jahren, als sie die bis dahin unbekannte Band Wir sind Helden in die Kreisstadt des Schwalm-Eder-Kreises holten.

Allerdings sind Großstadtgeflüster eher Antihelden. Die Plattenfirma nennt die 2003 gegründete Formation „leidenschaftliche Verweigerer“. Ihr Electropunk klingt nicht nach den Charts, sondern nach einer krawalligen Mischung aus Deichkind und „Rosenstolz auf Crack“, wie jemand schrieb.

Und trotzdem landen Bender, Keyboarder Raphael Schalz und Schlagzeuger Chriz Falk immer wieder Ohrwürmer wie eben „Fickt-Euch-Allee“. Bei Youtube wurde der dazugehörige Clip drei Millionen Mal geklickt. Zu kalten Electro-Beats singt Bender: „Ich hör euch nicht / Ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee / Wo ich auf der Veranda meine Eier schaukle / Da hab ich immer recht und ’n Blick aufn See.“ Dazu zeigt sie den Mittelfinger. Auch Stars wie Marteria und Andreas Bourani treten auf.

Man kann den Song als Kommentar auf die Gentrifizierung Kreuzbergs verstehen, wo die Musiker zu Hause sind und zugezogene Veganer und neureiche Glückssucher ihnen das Leben schwer machen. Man kann Zeilen wie „Macht Urlaub in den Misanthropen“ aber auch einfach mitsingen, weil hier endlich jemand aus dem typischen Berliner Meckersound ein Lied gemacht hat. Selten hat schlechte Laune so viel Spaß gemacht wie bei Großstadtgeflüster.

Trotz des Erfolgs will die Band weiter ihren Spaß haben und verweigert sich den Marktmechanismen: Statt eines Albums nehmen die Musiker nur einzelne Songs auf. In einem heißt es: „Wo ist die Party? Hier ist die Party. Wer ist die Party? Wir sind die Party.“ Auf der Party beim Homberger Burgbergfestival wird die Band vielleicht erzählen, wie sie sich eigentlich nennen wollte, als sie noch ein Duo war: „Kaktus und Kaktussi.“ Das wäre ein noch größerer Spaß gewesen.

Burgbergfestival

Ort:  Stellberg, Rudolf-Harbig-Straße 5, Homberg (Efze)

Termin: Freitag (ab 19.30 Uhr mit der Irish Night) und Samstag (ab 15 Uhr)

Acts:  Großstadtgeflüster (Samstag, 23 Uhr), Kmpfsprt, Bengio, Fullax, Fulltime Job, Box of X, Sturdy, Garden of Delight, Flatcap und Special Guest.

Sonstiges: An beiden Tagen zeigen die „Fire Wolves Alzenau“ eine Feuershow.

Geschichte: Die erste Auflage fand 1981 statt. Damit ist das Burgbergfestival eines der ältesten Festivals der Region. Seit 2014 wird es nicht mehr auf dem Burgberg, sondern neben dem Homberger Stadion ausgetragen.

www.burgbergfestival.de

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