Susan Owen-Leinert und Michael Leinert präsentierten ihre Edition von Spohrs sämtlichen Liedern

Großtat für den Meister

Pionierarbeit: Susan Owen-Leinert und Michael Leinert stellten im Kasseler Spohr-Museum ihre Forschungsarbeit über Louis Spohr vor. Foto:  Fischer

KASSEL. Ein subtiler Meister der Liedkomposition war Kassels Musikheros Louis Spohr (1784-1859). Neu bewerten lässt sich seine Liedkunst seit einigen Monaten, denn im Frühjahr wurde die erste kritische Gesamtausgabe seiner Klavierlieder im Kölner Verlag Dohr abgeschlossen. Zwei in Kassel bestens bekannte Musikexperten, Susan Owen-Leinert und Michael Leinert, sind die Herausgeber der zwölf Liedbände.

Bei der gut besuchten Matinee am Sonntag im Spohr-Museum berichteten die beiden von ihrer mehrjährigen Forschungsarbeit. Spannend wie ein Krimi war es, was die an der Universität von Memphis, Tennessee, lehrende Gesangsprofessorin und der frühere Intendant des Kasseler Staatstheaters darlegten.

Die beiden Spohr-Enthusiasten haben verschollene Lieder aufgespürt, sie haben Pseudonyme der Textautoren entschlüsselt und Autorennamen ergänzt. So hieß es bei „Wach auf“ op. 103/6 bisher: Dichter unbekannt. Seit dem detektivischen Aufwand der Leinerts weiß man, dass Rudolph Kulemann den Text geschrieben hat.

In der Gesamtausgabe sind alle neuen Erkenntnisse dokumentiert - ein Gewinn für die Spohr-Forschung. Akustisch vorgestellt wurde der Liedmeister mit Tondokumenten berühmter Sänger wie Marilyn Horne und Dietrich Fischer-Dieskau.

Von Mitsuko Shirai hörte man eine Aufnahme von Mignons Lied „Kennst Du das Land“ - eine Goethe-Vertonung, mit der Spohr dem Jahrzehnte späteren Hugo Wolf nahekommt. Ergänzend gab es eine Lesung von Karl Gabriel von Karais, der mit feinem Bühnen-Süddeutsch aus Martin Walsers Goethe-Roman „Ein liebender Mann“ las. Zuletzt überreichten Susan Owen-Leinert und Michael Leinert dem Kasseler Museumsleiter Dr. Karl Traugott Goldbach zwei englische Spohr-Erstausgaben.

Von Georg Pepl

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