Groteskes Vergnügen: Das Aktionstheater zeigt „Eine Froschkönigin“

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Hiergeblieben: König (Werner Zülch, von links), Prinzessin (Leoni Selina Bäcker) und Königin (Odilie Kennerknecht) bei der Premiere im Hof des Dock 4.  

Kassel. Wenn ein Frosch eine Prinzessin will und dadurch zum Prinzen wird, dann sind wir beim Märchen vom Froschkönig. Wenn aber eine Prinzessin sich in einen Frosch verknallt, und das so heiß und innig, dass sie wie er werden möchte, dann sind wir bei der von Tilman Rammstedt geschriebenen Adaption „Eine Froschkönigin“.

Das Aktionstheater Kassel feierte damit im Hof des Kulturhauses Dock 4 eine gelungene Premiere. Regie führen Helga und Werner Zülch. Die Parallelen zum Grimm’schen Klassiker sind nicht zu übersehen, die Unterschiede jedoch auch nicht. Und das nicht nur wegen des Unhappy Ends. Ein theatralisches Spektakel für Straßen und Plätze wollte das Aktionstheater kreieren. Das ist gelungen.

Obwohl die Essenz dieser Märchenversion viele düsterschwere Züge hat, so fantasievoll und originell inszeniert wich die Schwere rasch dem grotesken Vergnügen. Da fährt das Ensemble mit einem alten, knatternden Transporter vor und funktioniert seine Ladefläche zur Zusatzbühne um. Da sieht der König (Werner Zülch) mit seiner schwarzen Sonnenbrille, dunklen Montur und blitzenden Stiefeln aus wie ein versnobter Modezar.

Der Frosch (Josi Schreier) trägt Grün-Weiß-Gestreift und eine Fliegermütze, die Bewerber der Prinzessin Sportgarderobe wie aus Turnvater Jahns Zeiten. Die Prinzessin (Leoni Selina Bäcker) bezaubert mit kindlich naiver Glaubwürdigkeit, die Königin (Odilie Kennerknecht) mit theatral aufgeblasener Autorität.

Zur Handlung sei hier nicht zu viel verraten. Nur so viel: Die beiden kriegen sich nicht. Dennoch ist diese Inszenierung kein Trauerspiel, sondern Bildertheater, das bestens unterhält. Statt Dialogen dominieren Mimik und Körpersprache. Den Erzähler gibt jeder Darsteller wechselweise selbst. Beim Finale mit viel schwarzem Humor geht Liebe durch den Magen.

Fazit: Ein groteskes Vergnügen mit dunkler Essenz, aber auch jeder Menge origineller Ideen. Für die Musik sorgte das Akkordeonensemble „Die Bälger“. Viel Applaus der knapp 40 Besucher.

Service

Weitere Vorstellungen: 11. Mai, 19 Uhr, sowie 24. Mai, 19 Uhr (Festival „Grimm + Eigen:sinn“). Karten: 0561/77 31 42.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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