Neues Album "Offline"

Guano Apes im Interview: "Wir sind keine Göttinger Band"

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Die Band "Guano Apes".

Die Guano Apes aus Göttingen sind immer noch der erfolgreichste Pop-Export der Region. Gerade tourt die Crossover-Band durch Russland und wird von den Fans gefeiert wie in den 90ern, als das Quartett um Sängerin Sandra Nasic die Mischung aus Rock, Rap und Punk hierzulande populär machte - bis sich die zerstrittenen Musiker 2006 trennten.

„Offline“, das zweite Album nach der Wiedervereinigung, klingt wieder nach dem Adrenalin der Anfangstage. Wir sprachen mit Gitarrist Henning Rümenapp (38).

Haben Sie Ihr Smartphone heute schon mal ausgemacht? 

Henning Rümenapp: Nein, heute noch nicht. Es ist Interviewtag, ich habe gerade mit drei spanischen Journalisten geredet. Später werde ich es aber mal ausschalten.

Ihr neues Album heißt „Offline“. Wieso sind viele Menschen so genervt vom Internet? 

Rümenapp: Die Möglichkeit, permanent online zu sein, suggeriert einem, dass man alles mitkriegen muss. Dabei kann man die Flut an Informationen nicht mal ansatzweise bewältigen. Ich stamme aus der letzten Generation, die noch mit Telefonzellen und ohne Handy aufgewachsen ist. Ich weiß noch, wie unser Grafiker sagte, er mache jetzt auch Webseiten. Wir sagten: „Lass uns das doch mal ausprobieren.“ Das ist heute unglaublich. Wir sind dem Internet genauso verfallen wie alle. Wenn wir unterwegs sind, fragen wir im Hotel als erstes nicht nach dem Zimmerschlüssel, sondern nach dem WLAN-Code.

Die ersten Songs für „Offline“ entstanden im Februar 2013 im Harz. Gab es dort Internet? 

Rümenapp: Nein, da waren wir so was von offline. Das Haus lag in der Nähe von Sankt Andreasberg. Wir waren komplett eingeschneit. Aber es war toll. Das Ganze hatte so einen Jugendherbergscharakter. Wir mussten uns keine Dateien zuschicken, sondern haben einfach Musik gemacht.

Die Musik klingt wieder rockiger als zuletzt.

Rümenapp: Stimmt, wir wollten uns zurückbesinnen auf die alte Härte und die schnörkellose Art: Kabel in die Gitarre und in den Verstärker, und los geht’s. Einige Songs haben dieses Ungeschönte.

Noch vor einigen Jahren war die Band heillos zerstritten. Ist jetzt wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen? 

Rümenapp (lacht): Das zu behaupten, wäre naiv. Aber es geht uns besser denn je. Wir brauchten alle die Zeit, uns allein auszuprobieren und die Hörner abzustoßen. Als wir dann wieder zusammengekommen sind, haben wir festgestellt, dass nicht alles schlecht war. Im Gegenteil: 99,9 Prozent waren sehr schöne Sachen, auf die wir jetzt mit viel größerer Wertschätzung schauen können.

Sie leben in München, Sandra Nasic ist in Berlin zu Hause. Sehen Sie sich trotzdem noch als Göttinger Band? 

Rümenapp: Wahrscheinlich stoße ich jetzt manche vor den Kopf, aber wir sind keine Göttinger Band. Ich weiß nicht einmal, ob das je so gewesen ist. Schon in der Anfangszeit haben wir uns ein bisschen ferngehalten von der Göttinger Szene. Wir spürten viel Missgunst in der Stadt. Unsere Konzerte in Göttingen waren die am schlechtesten besuchten Auftritte. Wir sehen uns eher als europäischen Act. Ob wir deutsch sind, ist im Ausland nicht wichtig.

Wieso waren die Konzerte in Göttingen nicht die besten? 

Rümenapp: Ich weiß es nicht. Es kann mit der Geschichte vom Berg und dem Propheten zu tun haben. Vielleicht hatten wir zu hohe Erwartungen, wenn wir in der Heimat aufgetreten sind. Auf der anderen Seite hatten wir oft das Gefühl, dass die Zuschauer dachten: „Jetzt haben wir euch rausgeschickt in die Welt, wo ihr es angeblich zu was gebracht habt. Jetzt zeigt doch mal, was ihr könnt.“ Wahrscheinlich lag es an der Anspannung auf beiden Seiten.

Guano Apes: Offline (Epic/Sony).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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