Gunter Gabriels Knast-Konzert: "Heiß wie ein Feuerring"

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Kassel.  Am Samstagabend wurde Gunter Gabriel mit einem an den großen Johnny Cash erinnernden Konzert in der der Ex-Vollzugsanstalt Elwe von 600 begeisterten Fans gefeiert.

Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte man sich einen Auftritt von Gunter Gabriel allenfalls im Dschungelcamp vorstellen können. Dann legte er mit der CD „Sohn aus dem Volk“, seiner Biografie „Wer einmal tief im Keller saß“ und einer Johnny-Cash-Revue ein furioses Comeback hin.

Impressionen von Gunter Gabriels Knast-Auftritt

Gunter Gabriels Auftritt bei der Tattomesse im Knast

Im schwarzen Anzug kommt Gabriel auf die Bühne. Dazu spielt die Band (Peter Rehak/Bass, Alex Wenn/Schlagzeug, Jürgen Maass/Gitarre) bereits das intro zu Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“, und miteinem augenzwinkernden „Hello, I’m Johnny Cash“ steigt „The Big G“, wie er auf seinem Tourbus firmiert, in den Abend ein. Danach folgt mit „Orange Blossom Special“ ein weiterer Song, den Johnny Cash unsterblich machte.

Dessen Leben in Songs und Anekdoten Revue passieren zu lassen, fällt Gabriel nicht schwer. Die Beiden haben sich nicht nur „über 20 Jahre“ gut gekannt, wie Gabriel stolz vermerkt. Beider Leben war auch von Höhenflügen und Abstürzen geprägt, von Alkohol- und anderen Rauschzuständen, die ihnen oft zum Verhängnis wurden. Gabriels Karriere begann mit dem Lied „Ich wird gesucht (in Bremerhaven)“, einer deutschen Version von Cashs „Wanted Man“. Kein großer Hit, aber Johnny Cash wollte den deutschen Interpreten unbedingt kennenlernen.

Einfache Wahrheiten

Es sind dies einfachen Wahrheiten in den Songs von Johnny Cash, die auch die Eigenkompositionen von Gunter Gabriel prägen, der im Laufe des Abends unter anderem „Wenn du denkst, du denkst“, „Er fährt `nen 30-Tonner-Diesel“ und „Komm unter meine Decke“ aus dem eigenen Repertoire singt. Die Fans, darunter viele Tätowierte, lieben ihn dafür.

"Kauft Euren Kindern anstatt eines Handys lieber eine Gitarre, und Ihr werdet ausgeglichene Kinder haben". (Gunter Gabriel beim Auftritt in der Elwe)

Sein Hit „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ ist aktueller denn je und spricht vielen aus der Seele. Schwarz gekleidet steht er da und erzählt, wie ihn „die Steuerbande ausgeraubt hat“ und er jahrelang im Wohnmobil auf den Parkplätzen von Einkaufszentren und Friedhöfen übernachtet hat. „Ich war nicht immer ein Vorbild, aber ich habe dafür meinen Preis gezahlt“ sagt er in einem Anflug von Selbsterkenntnis.

Kurze Zeit später sitzt ihm wieder der Schalk im Nacken. „Trotz seiner großen weißen Villa mit Swimming-Pool in Tötensen laufen dem Dieter Bohlen diese ganzen Superfrauen weg, während sie vor meinem Hausboot in Hamburg-Harburg Schlange stehen.

Als er dann auf Johnny Cash zu sprechen kommt, wird es pathetisch. Er erzählt vom Kniefall mit Tränen in den Augen vor dem erkrankten großen Vorbild. Vom Wunsch Johnnys, sie mögen doch „auf Augenhöhe“ miteinander verkehren. Es folgen die Balladen „St. Quentin“ und „Before my time“ – die stimmungsvollsten Momente des Abends.

"Ich lebe noch"

Natürlich hat Gunter Gabriel seine Schlagerzeit nicht vergessen. Er zelebriert sie mit altersweisem Abstand, erinnert an die ZDF-Hitparade und Auftritte mit Drafi Deutscher, Rex Gildo, Bernd Clüver und Roy Black: „Die sind tot, ich lebe noch“.

Eines hat sich seit jener Ära nicht verändert: Gabriels kraftvolle Stimme, die immer noch alle Glieder flattern lässt. Mit diesem Organ stimmt er nach 90 Minuten das Finale seiner Show an: Johnny Cashs „Ring of Fire“ mit den deutschen Versen „Heiß, wie ein Feuerring / ist das, was ich für Euch sing / Ich sing, woran ich glaub / verbrenn ich auch zu Asche und Staub. Das passende Schlusswort von einem Mann, der immer wieder Tritte in den Hintern bekam. (wd)

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