Das Wehlheider Hoftheater blickt auf 100-jährige Tradition zurück - Vorstellung des Jubiläumsprogramms

Gurkengläser für Bühnentechnik

Imposante Ensemble-Größe: Die Darsteller des Wehlheider Hoftheaters in prächtigen Kostümen. Die historischen Fotos aus dem Archiv der Bühne sind undatiert. Fotos: nh

Kassel. Der Weg von den Umkleiden auf die Bühne führte einst über einen Hof - so kam das Wehlheider Hoftheater zu seinem (erst liebevoll-spöttisch verwendeten) Namen. In diesem Jahr feiert die Amateurbühne ihr 100-jähriges Bestehen, und Vorsitzender Eberhard Horn erinnert an die glanzvolle Vergangenheit der Kasseler Institution. Der Verein hat jetzt das Jubiläumsprogramm vorgestellt.

Die 10er und 20er waren die goldenen Jahre des Hoftheaters, man spielte in der Gaststätte Umbach am Kirchweg 45 - und baute mit riesigem Engagement und wenig Geld in den Saal improvisierte Bühnentechnik ein, bei der Konservenbüchsen-Bleche und Gurkengläser zweckentfremdet wurden. Alles für die Kunst. Der Souffleur musste auf dem Rücken liegen, weil unter den Bühnenbrettern so wenig Platz war, nach dem Schlussvorhang bauten die theaterbegeisterten Laien jedes Mal alles ab. Sogar eine Regenanlage gab es, die war aber nicht immer ganz dicht - sodass die Zuschauer schon mal in einer Wasserlache saßen.

Heute spielt das Ensemble im Cassalla-Theater (im Theaterstübchen) unter stabileren Bedingungen - schließlich hat das Team (mit der Kleinen Bühne 70) seit Jahren Bühne und Zuschauerraum ausgebaut. Doch eins ist gleich geblieben: Der große ehrenamtliche Einsatz für die Leidenschaft Theater. Heute hat der Verein 85 Mitglieder, davon 30 Kinder und Jugendliche. Von den Erwachsenen treten 20 auf. Gesucht werden derzeit, so Spielleiterin Magdalena Horn, Menschen, die Lust haben, Bühnenbilder zu bauen und sich ums Technische zu kümmern.

Vier Stücke im Jahr stehen auf dem Plan, das Wichtigste ist das Weihnachtsmärchen. Seit zehn Jahren gibt es die Erfolgsreihe „Kinder spielen für Kinder“. Dieses Jahr beschreitet das Theater neue Wege: Es gibt ein Jugendstück, Lutz Hübners „Creeps“ über Casting-Shows. Damit soll die Lücke zwischen Kinder- und Erwachsenenstücken geschlossen werden. Das Theater wirtschaftet mit einem Budget von etwa 20 000 Euro, so zweiter Vorsitzender Peter Herborg, von der Stadt gibt es einen Mietkostenzuschuss.

Alle arbeiten daran, dass das Urteil des Kritikers Fritz Metz aus der Kasseler Post (um 1930) weiter gilt: „Wir müssen sagen, dass das Programm einzig dasteht, non plus ultra gewesen ist und die Zuschauer von 1/2 9 bis 3/4 12 dauernd fesselte.“

Jubiläumsprogramm: Kinder spielen für Kinder: „Der kleine Wassermann“ ab 19. März, Jugendstück „Creeps“ ab 14. Mai, Jubiläumsstück „Die deutschen Kleinstädter“ von August von Kotzebue ab 27. August, Weihnachtsstück „Eine Woche voller Samstage“ ab 29. November, Kontakt: 0561-7661693, Festakt zum Jubiläum im Rathaus am 10. September.

Von Bettina Fraschke

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