Sein letztes Werk hinterließ er unvollendet

Gustav Mahler und die Zehnte: Sein letztes Werk hinterließ er unvollendet

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Genie in der Krise: Der Komponist Gustav Mahler.

Der Komponist Gustav Mahler (1860-1911) ist eng mit der Stadt Kassel verbunden: Hier wirkte er von 1883 bis 1885 als Hofkapellmeister am Opernhaus, und hier komponierte er die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ und begann mit den Vorarbeiten zur ersten Sinfonie.

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Neun Sinfonien vollendete Mahler bis 1909. Seine unvollendete zehnte Sinfonie entstand im Sommer 1910 während einer schweren persönlichen Krise. Seine Frau Alma Mahler hatte ein Verhältnis mit dem Maler Oskar Kokoschka begonnen, ihre Ehe mit Gustav Mahler schien am Ende. In seinem Sommerdomizil in Toblach arbeitete er von Juli bis September mit Unterbrechungen an den fünf Sätzen der Sinfonie. Die Satzfolge lautet: 1. Adagio, 2. Scherzo, 3. Purgatorio, 4. „Wild. Der Teufel tanzt es mit mir“, 5. Finale.

Alma Mahler mit den Kindern Marie Anna (links) und Anna Justine.

Allerdings stellte er die Sinfonie nicht fertig, es gibt keine vollständige Partitur. Die fünf Sätze existieren als Particell, ein auf wenige Notenlinien verdichtetes musikalisches Substrat, das Angaben zur geplanten Ausarbeitung und Instrumentierung enthält. Bekannt sind aber die komplette Länge der Sinfonie (Taktzahl) und ihre thematischen Verläufe. Von den ersten beiden Sätzen und von wenigen Takten des dritten hinterließ Mahler Partiturentwürfe. Außerdem existieren einige Skizzenblätter.  Nach Gustav Mahlers Tod 1911 versuchte Alma Mahler mehrere Komponisten für die Fertigstellung der Sinfonie zu gewinnen. Die Versuche scheiterten. Seit den 1960er-Jahren arbeiteten mehrere Musikwissenschaftler daran, eine spielfertige Partitur zu erstellen. Am bekanntesten wurde eine Konzertfassung, die der Engländer Deryck Cooke 1974 als Partitur vorlegte, die aber als wenig befriedigend gilt.

In siebenjähriger Arbeit erstellte Yoel Gamzou eine neue Fassung der Zehnten, die am 5. September 2010 in Berlin uraufgeführt wurde - auf den Tag 100 Jahre, nachdem Mahler die letzte Note geschrieben hatte.

Von Werner Fritsch

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