Neu im Kino: Eine bildgewaltige Biografie über Albert Schweitzer

Der gute Deutsche

Menschlich: Jeroen Krabbé als Albert Schweitzer. Foto: nfp

Wie kann es gelingen, eine Ikone auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, ohne ihre herausragenden Leistungen zu banalisieren? Jeroen Krabbé, viel beschäftigter holländischer Schauspieler, zerbrach sich den Kopf, wie er die wohl wichtigste Rolle seiner Karriere bewältigen könnte.

Zu Weihnachten ist er als Albert Schweitzer im Kino zu betrachten - mit Tropenhelm und buschigem Schnauzbart. In „Albert Schweitzer - ein Leben für Afrika“ versucht der 65-Jährige zweierlei: den Menschen hinter dem humanistischen Symbol kenntlich und seinen Kampf für eine bessere Welt verständlicher zu machen.

Die Zerrissenheit des deutschen Forschers, Mediziners und Künstlers darzustellen, war nicht geplant. Regisseur Gavin Millar war vielmehr daran gelegen, die Leistungen des Dschungelarztes zu feiern. Obwohl Schweitzer bis zu seinem Tod 1965 zu einer der Berühmtheiten seiner Zeit zählte, dürfte heute allenfalls noch sein Engagement für Leprakranke in Afrika bekannt sein.

Doch der habilitierte Mediziner wurde auch zu einer Person des öffentlichen Lebens, die vom US-Geheimdienst CIA demontiert werden sollte, weil sie sich gegen die Konstruktion der Atombombe aussprach. Das macht Schweitzer auch aus dramaturgischer Perspektive zu einer nahezu idealen Figur für ein Epos über die Gefährdung von Moral.

Der Film konzentriert sich auf die karitative Arbeit, die zum Dreh- und Angelpunkt des Schicksals Schweitzers als humanistischer Vorkämpfer zwischen den Interessen der Industriemächte und den Machtverhältnissen am Ort seines Wirkens wird: dem Urwaldhospital Lambaréne im späteren Gabun.

Gavin Millar drehte in Südafrika eine bildgewaltige Filmbiografie über das Elend im Dschungel, die aufrechte Einsatzbereitschaft Schweitzers und die Hinterhältigkeit all jener, die sich gegen das Werk des gebürtigen Oberelsässers stellten.

Hauptdarsteller Krabbé setzte sich für eine differenziertere Annäherung an die historische Figur ein. Das wird durch die menschlichen Anwandlungen, die Krabbé seinem Filmcharakter angedeihen lässt, noch verstärkt.

So gerät „Ein Leben für Afrika“ mit seinen knapp zwei Stunden Lauflänge zu mehr als einem harmonischen Weihnachtsfilm, sondern vor allem zu einer stimmungsgeladenen Lehrstunde über einen Friedensnobelpreisträger, dessen Überzeugungen aktueller denn je zu sein scheinen. (tx)

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!!:

Von Leif Kramp

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